Beim DNV (Deutscher Naturwerkstein Verband) hat ein Generationswechsel stattgefunden, zielstrebig und unaufgeregt, weil professionell vorbereitet – so wie es üblich ist bei dem Zusammenschluss mit 170 Mitgliedern. Es handelt sich vielfach um Familienunternehmen mit langer Tradition, von denen nur ganz wenige die Zahl von 250 Mitarbeitern erreichen.
Eingeleitet wurde der Generationswechsel schon 2020 mit Hermann Graser vom Bamberger Natursteinwerk als neuem Verbandsvorsitzenden (in der Nachfolge von Joachim Grüter). Auf der aktuellen Mitgliederversammlung am 04. Juli 2025 in Würzburg wurden nun fünf weitere Mitglieder des Vorstands ausgetauscht.
Und der nächste Wechsel ist schon in Vorbereitung: Dann wird der langjährige Geschäftsführer Reiner Krug seine Rolle an Daniel Kordmann übergeben. Kordmann ist Steinmetz und Architekt und im Verband schon als technischer Berater und stellvertretender Geschäftsführer aktiv.
Eigentlich ist die Situation der Branche nicht gut, auch wenn die Stimmung bei dem Treffen es nicht widerspiegelte. Im zweiten Jahr in Folge sank der Inlandsverbrauch an Naturstein deutlich (2023 bis 2024: -10,4 % nach Wert, -10,1 % nach Tonnage) ; 2022 bis 2023: – 19,1 % nach Wert, -13,0 % nach Tonnage).
Nicht anders war es folglich um die heimische Produktion bestellt: von 2023 bis 2024 gab es -10,1 % (nach Wert), im Jahr zuvor hatte es -5,4 % gegeben.
Der Export ist für die hiesige Branche nicht wirklich ein großes Spielfeld, auch wenn die dort aktiven Firmen mit höchstwertigen Produkten wie zum Beispiel Fassadenbekleidungen beste Preise erzielen.
Entsprechend fielen auch die Einfuhren. Dennoch zählt Deutschland weiterhin zu den interessanten Zielländern: 2024 belief sich der Inlandsverbrauch auf 561.757 Millionen € (2023: 626.927). Das ist – in Worten – eine gute halbe Milliarde € an Steinwaren.
Die gute Stimmung bei der Mitgliederversammlung liegt wohl darin begründet, dass Naturstein im Zuge des nachhaltigen Bauens und des Kampfes gegen den Klimawandel industriell produzierte Materialien weit hinter sich lässt.
Allerdings: Das Material ist zwar stark, aber das Marketing der Branche ist schwach.
Das betonte Verbandspräsident Hermann Glaser auf der Mitgliederversammlung gleich bei mehreren Gelegenheiten und gab zwei Leitlinien für die Zukunft vor:
* Die Steinfirmen sollten nicht die eigene Branche als Konkurrenz sehen, sondern menschengemachte Materialien wie Kunststeine oder Keramik;
* zu natürlichen Materialien wie Holz gebe es im Nachhaltigen Bauen zwar eine Konkurrenz, aber gleichzeitig auch eine Art von Verwandtschaft;
* außerdem: Graser ist kein Freund von Lobbyarbeit, und so ist für ihn der Stein nicht für alle Zwecke das richtige Material. Man müsse den Stein für das verwenden, was er kann, nicht in unpassende Rollen zwingen, drücken wir seine Sichtweise mit unseren Worten aus.
Und: „Wir müssen neue Märkte erschließen“, sagte Graser mit Blick aufs Massivbauen mit Naturstein. Dort aber wird das Material nur dann in großem Stil verwendet werden, wenn die Branche Regelungen und Normen dafür erarbeitet, waren sich die rund 30 anwesenden Verbandsmitglieder einig.
Ulrich Klösser von der Firma Traco bestätigte diese Einschätzung in seiner Abschiedsrede als Vorstandsmitglied. Wie Graser sieht er „große Chancen im Massivbau“ und auch bei den wirklichen Konkurrenten teilt er die Ansicht des Präsidenten. Klösser war seit 1983 im DNV-Vorstand aktiv und außerdem 50 Jahre für seine Firma tätig. Bildlich gesprochen: Er fing im Unternehmen an, als das Fax eine Neuigkeit war.
Noch ein weiteres „Urgestein“ der deutschen Natursteinbranche wurde verabschiedet, diesmal eine Frau: Bärbel Holländer scheidet zum 01. September als Chefredakteurin der Fachzeitschrift „Naturstein“ aus. Sie kam vor 36 Jahren in die Branche, „ziemlich unbefangen und als Mädel mit viel Engagement“, wie sie es formulierte und hatte anfangs kein leichtes Standing gegenüber den fachlichen und unternehmerischen Schwergewichten.
Sie wich Fragen nach künftigen Tätigkeiten für die Branche aus. Im Moment wolle sie einfach nur mehr Zeit haben, um sie mit ihrem Ehemann Brian zu verbringen. „Er ist die Liebe meines Lebens“, fügte sie an.
Übrigens: Weltweit geht es in der Steinbranche in Richtung Geschlechtergleichheit: Inzwischen gibt es bei einigen Firmen und sogar bei zwei Verbänden (Finnland, UK) Frauen in Spitzenpositionen, die dort auf ihre Art das Natursteingeschäft betreiben.
In diesem Jahr feiert der DNV sein 125-jähriges Jubiläum. Es gibt Broschüren zu den vergangenen 100 Jahren und zum letzten Vierteljahrhundert, zum Download von der Webpage.



