Update: Quarzite aus Brasilien sind von den Sonderzöllen ausgenommen, nicht jedoch Steine wie Granit, Marmor und Schiefer, teilt Centrorochas mit.
Update: Bestimmte Natursteinsorten aus Brasilien sind von Donald Trumps Strafzöllen auf Importe von dort ausgeschlossen, nämlich diejenigen mit der Nummer HTS 6802.99.00.
An Donald Trumps aktuellen Sondertarifen für Lieferungen aus Brasilien kann man live verfolgen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Politik des US-Präsidenten hat, der politische Ziele mit Zöllen statt mit Diplomatie durchsetzen will: Noch bevor die Regelungen überhaupt in Kraft sind, gab es schon große Störungen bei den Natursteinexporten Brasiliens und umgekehrt auch große Sorgen in der US-amerikanischen Baubranche.
Trump hatte am 09. Juli 2025 angekündigt, zum 01. August 2025 Sonderzölle von 50 % für Lieferungen aus Brasilien in Kraft zu setzen. In großem Stil betroffen wären davon auch Kaffee, Zellulose, Roheisen, Eisenerz und weitere Produkte.
Zum aktuellen Zeitpunkt haben brasilianische Exporteure zwar noch keine Stornierungen von US-amerikanischen Einkäufern erhalten. Jedoch seien schon viele Bitten um Verschiebungen von Lieferungen bei ihnen eingegangen. Damit zitiert die Zeitung „Folha Vitória“ Tales Machado, Präsident des Natursteinverbands Centrorochas.
Will heißen: Lieferungen, die nach dem 01. August in den US-Häfen eintreffen sollten, wurden bis auf Weiteres verschoben.
Der Verband hat in einer Pressmitteilung schon mehr Zahlen zu der Situation genannt: „Bis zum Ende des Monats (Juli) könnten etwa 1.200 Container nicht verschifft werden, was einen Verlust von bis zu 40 Millionen US-$ bei den Exporten allein im Juli bedeuten würde”.
Wir erinnern uns an die Corona-Pandemie: Auch nachdem die Impfung auf dem Markt war, dauerte es noch etliche Monate, bis die Fahrpläne für die Schiffe und Container wieder funktionierten.
Umgekehrt sind auch die Beteiligten auf dem US-Baumarkt sehr besorgt über ein mögliches längerfristiges Ausbleiben der Lieferungen aus Südamerika. In den USA kommt nur 15 % des verbrauchten Natursteins aus eigenen Quellen und die heimischen Steinbrüche haben nicht das Potenzial, kurzfristig die Produktion hochzufahren.
Es besteht die Gefahr, dass die Kunden auf Materialien wie Keramik oder Kunststein ausweichen.
Der US-Natursteinverband Natural Stone Institute (NSI) versucht zusammen mit weiteren Branchenvertretungen wie der National Association of Home Builders (NAHB) fürs erste, in Washington DC eine Verschiebung der Sonderzölle für Brasilien um 90 Tage zu erreichen, so Centrorochas in seiner Pressemitteilung.
Trumps Sonderzölle sind auch deshalb eine spezielle Bedrohung für Brasiliens Steinbranche, weil Lieferländer mit geringeren Sonderzöllen an die Stelle Brasiliens treten könnten – sie kaufen die wunderschönen Quarzite und Granite aus dem südamerikanischen Land als Rohblöcke, verarbeiten diese daheim und bringen sie auf den US-Markt.
Espírito Santo besonders betroffen
Innerhalb von Brasilien betreffen die angekündigten Regelungen besonders das Bundesland Espírito Santo, von dem 82,3 % der Natursteinlieferungen in die USA ausgehen. Nach Wert waren das zuletzt 672,4 Millionen US-$.
„Die Maßnahme bedroht die Leistung von mehr als 200 brasilianischen Exportunternehmen und gefährdet eine Produktionskette, die rund 480.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze im Lande schafft“, so Tales Machado von Centrorochas im Beitrag in der Zeitung.
Weltweit exportierte Brasilien im Jahr 2024 Steinwaren im Wert von 1,26 Milliarden US-$. Mehr als die Hälfte davon (56,3 %) ging in die USA.
Folha Vitória (portugiesisch)
Fotos: Firmen



