Man könnte an den Schlager „Pack die Badehose ein“ aus dem Jahr 1951 denken, denn das Projekt steht im Zusammenhang mit dem „Flussbad Berlin“ – das ist die Idee, den Spreekanal in der City als Badestelle für die Öffentlichkeit zu nutzen. Ende Juli 2025 war Grundsteinlegung für die neue Ufer-Freitreppe auf der Westseite von Berlins Humboldtforum, erkennbar am prächtigen Eosander-Portal: Die Treppen sollen aus Sandstein und Granit gemauert werden, oben haben sie die Breite 27 m und unten am Wasser 38 m.
Ob daraus wirklich mal ein Stadtbad wird, steht in den Sternen. Denn die Umgebung ist hochkarätig gestaltet: Neben dem neuen Schloss mit dem Humboldtforum gibt es, nur ein paar Schritte, entfernt den Dom und die Museumsinsel (Weltkulturerbe!) und auf der anderen Seite das ehemalige Gebäude des DDR-Staatsrats, heute Sitz einer privaten Hochschule.
Am Flussufer selbst soll die Einheitswippe (Freiheits- und Einheitsdenkmal) entstehen, und auf der anderen Flussseite vielleicht einmal ein Nachbau von Schinkels stilprägender Bauakademie.
Ein Rendering zeigt die Uferterrassen recht lauschig unter großen Bäumen, wie sie sich vielleicht in 20 Jahren einmal zeigen werden. Die Plaung stammt von bbz Landschaftsarchitekten.
Fertigstellung soll im Jahr 2027 sein. Das mag an dieser Stelle vielleicht gelingen, falls das Humboldtforum sozusagen abfärbt, da es sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen geblieben war.
Die Gesamtkosten für die Uferterrassen sind mit 8,39 Millionen € veranschlagt, von denen 4,61 Millionen € aus Berlin kommen. Den Rest steuert der Bund bei, denn das Vorhaben ist in das Programm Nationale Projekte des Städtebaus integriert, welches wiederum die Idee eines Flussbades Berlin fördert.
Vorbild ist die Seine in Paris.
Zum symbolischen Spatenstich an der Spree Ende Juli 2025 waren auch prompt ein paar Befürworter des Badens im städtischen Fluss gekommen, die sich bei vorausgegangenen Aktionen auch schon vor dem Pergamonmuseum zu Wasser gelassen hatten.
Übrigens: Spreekanal heißt der Wasserlauf an dieser Stelle deshalb, weil es sich um eine Art von Kanal handelt: Der Gesamtfluss verlief hier immer mit zwei Armen, die sich auf der Höhe der Mühledammschleuse teilten und hinter der Museumsinsel wieder zusammenkamen.
Die so entstandene flache Furt durch den Fluss war die Keimzelle der Stadt mit den beiden Teilen Berlin und Kölln.

