Grand Ring. Quelle: Expo 2025, Obayashi Corporation Co., Ltd, shinwa Co., Ltd.Naturstein ist kaum präsent auf der Weltausstellung Expo 2025, die vom 13. April bis 13. Oktober bis auf der künstlichen Insel Yumeshima vor der japanischen Großstadt Osaka stattfindet. Ihr Thema ist „Designing Future Society for Our Lives“ (Die Gesellschaft der Zukunft entwerfen). Als Baumaterial wird in der Tradition des Landes vor allem Holz genutzt.

Zudem hat Japans Steinbranche in den vergangenen Jahrzehnten einen Niedergang erlebt: Steinbrüche sind nur noch wenige in Betrieb, und auch für die Verarbeitung von importierten Rohmaterialien gibt es nur noch wenige Betriebe. Im Gegensatz dazu wird auf den Friedhöfen in aufwändigen Grabmalen viel Naturstein verwendet; die Materialien dafür kommen jedoch als Endprodukte fast ausschließlich aus China.

Eine der wenigen Aktivitäten in Osaka mit Stein ist das „Love Stone Project EXPO 2025“ des japanischen Bildhauers Atsuya Tominaga. Es ist Teil des Kunstfestivals Osaka-Kansai Triennale 2025, findet auf dem Gelände der Weltausstellung statt und will eine künstlerische Verbindung zwischen der Stadt und der Weltausstellung herstellen.

Atsuya Tominaga hat Steinbrocken auf dem Gelände ausgelegt: Besucher sind eingeladen, von Hand und miteinander die Oberflächen der Brocken mit Sandpapier zu bearbeiten, dass sie zuletzt regelrecht glänzen. Die Idee ist, die Botschaft von Liebe und Frieden zwischen den Menschen auszusenden.

Der Künstler hatte das Projekt im Jahr 2011 ins Leben gerufen. Nach dem schweren Erdbeben in Japan war er fasziniert von großen Steinbrocken, die im Erdbebengebiet herumlagen, und, die ähnlich wie die Menschen dort die Katastrophe sozusagen miterlebt hatten. Zwei Jahre später holte er für das Projekt „Our Love“ Steinbrocken aus Italien, dem Iran und dem ehemaligen Jugoslawien nach Japan und ließ sie im Rahmen des 25. Skulpturenfestivals UBE Biennale von Einheimischen und Besuchern polieren.

„Love Stone Project EXPO 2025“. Quelle: Osaka-Kansai„Love Stone Project EXPO 2025“. Quelle: Osaka-Kansai

Seitdem hat das Projekt an über 300 Orten weltweit mit rund 30.000 Teilnehmern stattgefunden. Für die Expo in Osaka hat er Granitbrocken aus den USA, Finnland, Südafrika, Australien und Japan zusammengeholt. Ihre Formen sind ähnlich menschlicher Herzen, ihre Oberfläche ist zunächst rau. Zu bestimmten Terminen sind die Expo-Besucher eingeladen, mit Schmirgelpapier die Steine zu polieren. Fünf verschiedene Körnungen des Sandpapiers stehen dafür zur Verfügung.

„Am Ende der Expo werden die fünf Steine in hellem Glanz erstrahlen und den Himmel über Yumeshima widerspiegeln,“ heißt es in einer Projektdarstellung von Osaka-Kansai, das die künstlerische Verbindung zwischen der Expo und der Stadt darstellt. „Während des Prozesses bringt jede Stufe des Polierens eine einzigartige Textur und einen besonderen Charme hervor und bietet allen Besuchern ein visuell ansprechendes Erlebnis.“

Holz als Baustoff wird bei dem zentralen Element der Expo inszeniert: „The Grand Ring“ des Architekten Sou Fujimotos hat einen Außendurchmesser von 675 m, eine Breite von 30 m und eine Höhe bis maximal 20 m. Errichtet wurde die Balkenstruktur in traditioneller japanische Handwerkskunst und in modernen Techniken der Holzbearbeitung und der Konstruktion. Von Sou Fujimotos stammt auch das Gesamtkonzept für die Anlage.

Wie bei den Weltausstellungen üblich, haben die teilnehmenden Länder eigene Pavillons. Sie sind nur für die Dauer der Expo errichtet und werden danach abgebaut und teils wiederverwendet. Überall wird das Thema der nachhaltigen Baustoffe angesprochen.

In keinem der Berichte in der internationalen und nationalen Presse wird registriert, dass Naturstein ein ebenfalls umweltfreundlicher Baustoff ist, aber nicht auftaucht. Einmal mehr zeigt sich, dass die ökologischen Stärken von Stein nicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit sind.

Die erste Weltausstellung fand 1851 im Londoner Hyde Park statt. Die Anregung dazu kam von Prinz Albert, dem Ehemann der britischen Königin Victoria. Damals war das Land führend als Kolonialmacht und in der Industrialisierung mit Eisen und Kohle. Ziel der Weltausstellung war eine internationale Leistungsschau der Länder: Sie präsentierten ihre neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, neue Technologien und die daraus resultierenden neuen Produkte.

Für die allererste Ausgabe schuf der Gärtner und Architekt Joseph Paxton den berühmten „Crystal Palace“ (Glaspalast), eine 600 m lange Halle nur aus Glas mit einer tragenden Eisenkonstruktion. Das spektakuläre Bauwerk der Schau von 1889 in Paris war der Eiffelturm.

Für Saudi-Arabien bei der Expo 2025 zum Beispiel hat Foster + Partner eine Wüstensiedlung nachgebildet. Die Fassaden aus künstlichem Stein tragen geometrische Muster.

Die nächste Expo findet 2027 in Belgrad in Serbien statt. Danach folgt 2030 Riad, die Hauptstadt Saudi-Arabiens.

World Expo 2025

Länderpavillons

Love Stone Project (Osaka-Kansai, Facebook)