Poster von „Epiphanies” im Plus Theatre in Halle 10 der Marmomac 2025.

Die Verwendung von Naturstein unterliegt bestimmten Zeitumständen, das sind die jeweiligen Moden und der Zeitgeist, die verfügbaren Technologien für Gewinnung und Bearbeitung, und einiges mehr. Zum Beispiel wurde seit der Industrialisierung, anders als über Jahrtausende vorher, Stein nicht mehr als tragendes Baumaterial verwendet, sondern nur noch für vorgehängte oder angeklebte Dekoration an Fassaden, Wänden und Böden.

Gleichzeitig galt eine uniforme Farbe als edelste Materialvariante des Steins, so als wäre er ein industrielles Produkt.

Seit dem Aufkommen der Umweltbewegung und richtig stark seit der Klimakrise ändern sich wieder einmal die Zeitumstände. Die Vorreiter unter den Designern und Konstrukteuren fragen sich zum Beispiel, wie man Steinabfall vermeiden oder was man damit machen kann.

Auch suchen sie nach Ideen, wie man Stein wirklich materialgerecht verwendet und wie man die Nicht-Perfektionen des Materials kreativ nutzen kann.

Der Industriedesigner Raffaello Galiotto ist einer dieser Vordenker. Und die Marmomac versteht sich tradionell als Schauplatz für Experimente und Innovationen in Sachen Naturstein.

Galiotto, mit Studio in Chiampo unweit von Verona, hat sich mit verschiedenen Projekten im Rahmen der Messe schon seit langem diesen Fragen gestellt. Man kann seine Arbeiten finden, wenn man in unserem Archiv nach seinem Namen sucht.

Nun hat er zum 2. Mal für das Plus Theatre in Halle 10 der Marmomac Kreative zusammengeholt, damit sie die aktuellen Fragen zum Thema Naturstein anhand von Steinobjekten mal etwas hin- und herwenden.

„Epiphanies“ (Erleuchtungen) hat er als Kurator die Präsentation dieses Jahres genannt. In vier Projekten sollten Perspektiven für neuartige Verwendungen von Stein und Gestaltungen mit Stein umrissen werden. Natürlich geht es um die Möglichkeiten, die die modernen Technologien bieten.

Marmomac

Renderings: Designer
 

„Reasoning with stone“. Designer: Matteo Fraticelli, Marcela Sottile _ FROM architecture.„Reasoning with stone“. Designer: Matteo Fraticelli, Marcela Sottile _ FROM architecture.Matteo Fraticelli und Marcela Sottile von FROM architecture haben sich in ihrem Projekt „Reasoning with stone“ (Mit Stein Argumentieren) mit den unkalkulierbaren Varianten beschäftigt, die die Natur sich auch bei ihren Steinen erlaubt. Mit zwei Steinsorten spielen sie ein Hell-Dunkel-Design für eine Wandgestaltung durch. Die Idee ist gedacht für einen Meditationsraum.
„Reasoning with stone“
Designer: Matteo Fraticelli, Marcela Sottile _ FROM architecture
Company: Grassi Pietre
Material: Pietra di Vicenza, Perla Blu grade
 

„The Return of Natural Stone“. Designerinnen: Anne Hangebruch (Mark Ammann Architekten), Nerissa Yeung  (GROUPWORK).Mit „The Return of Natural Stone“ (Die Rückkehr des Natursteins) schaut Anne Hangebruch (Juniorprofessorin an der Technischen Universität Dortmund, Mark Ammann Architekten) zusammen mit Nerissa Yeung von Groupwork genauer in die neuen Möglichkeiten des althergebrachten Massivbauens mit Steins. Gezeigt wird ein Steinbalken, der dadurch machbar ist, dass die Einzelteile mittels gespannter Stahlseile zusammengehalten werden. Solche Konstruktionen können sowohl in die Höhe als auch in die Breite wachsen. Stein als Baumaterial überzeugt durch seinen geringen ökologischen Fußabdruck.Thema sind auch Module aus Stein und Holz.
„The Return of Natural Stone“
Designerinnen: Anne Hangebruch (Mark Ammann Architekten), Nerissa Yeung (GROUPWORK)
Company: Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser
Materials: Mainsandstein weiß grau, Neckartäler Hartsandstein, Leistädter Sandstein, Epprechtstein Granit, Kösseine Granit
 

„Lucidum“. Designerin: Tara Moore_Marble Projects„Lucidum“. Designerin: Tara Moore_Marble ProjectsMit „Lucidum“ (Lichter Augenblick) zeigt die britisch-stämmige und in Carrara lebende Desingerin Tara Moore alles, was mit dem weißen Marmor aus der Toskana möglich ist. Es handelt sich um, wenn wir das Rendering richtig interpretieren, zwei Sitze, die nebeneinander stehen, aber gegensätzlich ausgerichtet sind. Dass sie mit dem CNC-Roboterarm gefertigt wurden, zeigen ihre Formen, die mit anderen Werkzeugen nicht machbar sind; ausdrücklich hat die Künstlerin die Stufen auf der Oberfläche als Zeugnis der Fertigung per Maschine nicht weggeschliffen.
„Lucidum“
Designerin: Tara Moore_Marble Projects
Engineer: Alessandro Marchetti
Company: Robologica
Material: Bianco Carrara
 

„Araçari“. Designer: Ludson Moulin Zampirolli.„Araçari“. Designer: Ludson Moulin Zampirolli„Araçari“. Designer: Ludson Moulin ZampirolliLudson Moulin Zampirolli aus Brasilien hat sich für „Araçari“ (Arassari) von der Familie der Tukane inspiriren lassen. Auffallend an diesen Vögeln aus Südamerika ist neben dem bunten Gefieder der große Schnabel. In Analogie dazu hat Zampirolli mit dem CNC-Roboterarm aus einem Steinblock ungewöhnliche Proportionen herausgearbeitet.
„Araçari“
Designer: Ludson Moulin Zampirolli
Companies: Pellegrini Meccanica, Decormarmi
Material: Capolavoro Picasso by Granistone