Die Maijishan-Grotten sind ein faszinierendes Beispiel, wie die Menschen früherer Jahrhunderte ihren Glauben, die Natur und die Kunst in einen Zusammenhang gebracht haben. Sie liegen in der Provinz Gansu im Nordwesten Chinas, exakter: es handelt sich um den Inselberg Maijishan mit gut 140 m Höhe, aus dessen rotem Sandstein Künstler verschiedener Dynastien vom 5. bis ins 18. Jahrhundert knapp 200 Höhlen mit über 7000 Statuen herausgearbeitet haben.
Teile der Figuren kann man von außen sehen, viele Kunstwerke, etwa bemalte Tonfiguren, sind in Nischen in den Höhlen verborgen. Das Ensemble zählt zum Weltkulturerbe der Unesco.
Markant sind auf jeden Fall allein schon die Zugänge über ein System von Stiegen über dem Abgrund – sie wurden aber erst für die Touristen von heute geschaffen. Über Jahrhunderte war der Zugang nur über Treppen in der Steinwand beziehungsweise über Leitern möglich.
Damit sind wir schon bei dem aktuellen Problem: Die Zahl der Besucher aus dem In- und Ausland ist groß, zudem hat der Sandstein mit der natürlichen Verwitterung auch infolge des Klimawandels zu tun. Wie kann man für solch einen Ort ein Besucherzentrum [visitor center] schaffen, das den Touristen das Faszinierende des Ortes vermittelt und ihnen gleichzeitig die Botschaft der Vorfahren nahebringt?
Die Architekten von ZXD Architects + BIAD haben sich zunächst von der Landschaft und dann vom Buddhismus inspirieren lassen. Der kam vermutlich mit den Händlern der Seidenstraße in diese Gegend.
Die Architekten stellen in ihrer Beschreibung zunächst fest, dass es dort mehrere solcher Inselberge gibt: „Diese erheben sich aus der Erde, ruhig und gleichmäßig.“ Die tiefen Emotionen, mit denen sie das Projekt angegangen haben, sind schon hier zu spüren.
Die solitäre Form der Berge und ihre Anordnung lasse den Betrachter an Ringe denken, und auch im Buddhismus sei der Kreis ein zentraler Gedanke: „Alle Lebewesen werden, wenn sie nicht nach ,Befreiung‘ streben, für immer im Kreislauf von Leben und Tod auf den ,Sechs Pfaden‘ verweilen, ohne Ende“, geben sie einen Satz aus einer frühen Form der Religion wieder.
Die einfache Kreisform prägt auch das Besucherzentrum. Das Rund ist in sechs Abschnitte geteilt, die auseinander hervorgehen und dabei ansteigen beziehungsweise abfallen.
Die quasi fließende Linie soll es den Besuchern „ein angenehmes Gefühl geben und sie innerlich beruhigen“, lautet das Ziel der Architektur.
Das soll auch den Reisenden einen Abstand zum Trubel des Alltags zu Hause ermöglichen: Die Architektur „schafft eine Umgebung, die der friedlichen Atmosphäre der buddhistischen Praxis entspricht und es den Touristen ermöglicht, beim Betreten des Bauwerks inneren Frieden zu spüren.“
Wo die Abschnitte ineinander greifen, fällt Licht von außen in den Innenraum: „Das Außenlicht strahlt mit einer geheimnisvollen Kraft in das Gebäude. Es wirkt wie ein Ruf, der die Besucher von einem Raum zum nächsten führt“, schreiben die Architekten.
Und weiter: „Der ringförmige Raum ist grundlegend für die architektonische Erfahrung. Das hügelige Berggelände der Umgebung in den Entwurf integriert, so dass sich dieses Erleben und die Kraft der Gegend überschneiden und ein Energiefeld bilden.“
Es geht um mystisches Bauen, und die Architekten formulieren zum Schluss: „So wie der Buddhismus vom Menschen als Wesen mit Empfindungen und einem weiten Geist ausgeht, spricht die Form des Gebäudes auch die Touristen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichem Hintergrund an und bietet einen Raum für ein harmonisches Zusammenleben.“
Das Besucherzentrum hat in der Fassade denselben roten Sandstein wie der Berg in der Nähe.
Fotos: Arch-Exist, Xiangdong Wang, Hanmo Vision











