Das kulturelle Erbe der Menschheit wird zwar vielfach vom Klimawandel bedroht, birgt aber gleichzeitig das Potenzial in sich, dass wir uns an die aktuellen weitreichenden Veränderungen in unserer Umwelt anpassen können. Denn die Art und Weise, wie die Altvorderen agierten, war auf die Gegebenheiten zugeschnitten. Das gilt für das Bauen und genauso für die Landwirtschaft, um nur zwei Beispiele zu erwähnen.
Die Wissenschaftlerin Teresa Erbach vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) mit Sitz in Potsdam hat nun eine Studie zu dem Thema erstellt. Der Titel ist „Using Cultural Heritage in Climate Adaptation: Fields of Application and Functions“ und anslysiert, wie der Erhalt des kulturellen Erbes, das heißt auch: das Lernen von vergangenen Jarhunderten, uns heute helfen kann.
Das RIFS ist eine Einrichtung am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung und hat zum Ziel, „gesellschaftliche Wandlungsprozesse hin zur Nachhaltigkeit zu verstehen, zu befördern und zu gestalten“, wie es auf der Webpage heißt.
„Gebaute Umwelt“ ist ein Themenbereich in der Studie. Er umfasst groß angelegte Infrastrukturprojekte wie Dämme und Deiche, aber auch kleinere Strukturen wie schwimmende Häuser. Bereits im Alten Ägypten entstanden künstliche Dämme und noch heute sind Entwässerungssysteme der mykenischen Zeit im Betrieb. Im Nordseeraum entstanden solche Infrastrukturen etwa ab 1000 nach Christus – und schon davor wurden unterschiedliche Strategien entwickelt, um mit wiederkehrenden Überschwemmungen zu leben. So wurden beispielsweise über Jahrhunderte hinweg Siedlungen nur auf landschaftlichen Erhebungen gebaut und bewusst Überschwemmungsflächen freigehalten.
„Technische und ökosystembasierte Optionen“ umfassen Maßnahmen zur Gefahrenüberwachung. Dazu gehören Mangroven und Salzwiesen als Schutz der Küsteninfrastruktur. Eine wirtschaftliche Bedeutung kann dieses kulturelle Erbe dadurch bekommen, dass im Tourismus oder in der Landwirtschaft Einkommen für die Bevölkerung eneriert wird.
Zahlreiche weitere Aspekte werden in der Studie diskutiert.
Insgesamt müssen für jeden Fall die Gegebenheiten vor Ort betrachtet werden. Hier zeige sich die politische Dimension des Themas: „In jedem konkreten Fall hängen die Antworten von den Werten und unterschiedlichen Auffassungen zu Klimaanpassung sowie von kulturellen und moralischen Aspekten ab“, wird auf der Webpage zur Studie herausgestellt.
Teresa Erbach: „Using Cultural Heritage in Climate Adaptation: Fields of Application and Functions“. Wiley Interdisciplinary Reviews – Climate Change, 16(4).
doi:10.1002/wcc.70011
