Belcastel ist eines der besonders schönen Dörfer in der Region Okzitanien in Frankreich. Malerisch liegt es am Hang zwischen dem Fluss Averyon und dem Schloss auf dem Berg. Foto: kallerma / Wikimedia Commons

Fünf Trends bestimmen in den kommenden Jahren Innenarchitektur und Inneneinrichtung, so eine Studie der spanischen Firma Cosentino, Hersteller der Engineered Stones Silestone oder Dekton. Es sind:
* „Origin“ also zurück zu den Wurzeln;
* „Solace“, sprich: Erholung zu Hause;
* „Nature“, also Rücksicht auf die Natur und Kampf gegen den Klimawandel;
* „Urban“, gemeint als die Innovationskraft der Städte;
* „Wonder“, sprich: Offenheit für Überraschungen.

Der Design-Journalist Enric Pastor und die Farbexpertin Judith Van Vliet sind die Autoren der Studie.

Wenig Neues findet man. Es handelt sich um eine Auflistung von dem, was man überall in den diensttuenden Design- und Architekturmagazinen liest. Die Präsentation ist jedoch sehr aufwändig gestaltet mit vielen Fotos und vielen Beispielen. Das Browsen durch die Broschüre von 162 Seiten ist unterhaltsam und macht sogar Spaß.

Besonders eingehen wollen wir auf den Aspekt „Origin“. Die Autoren behaupten, dass immer mehr Verbraucher sich für Produkte mit heimischer Identität interessieren würden. Studien werden genannt, die das unter Beweis stellen.

Uns war kürzlich etwas aufgefallen, das ebenfalls mit „Origin“ zu tun haben könnte, wenn auch im Moment anders als zu erwarten: Wir hatten uns bei unseren Geschäftsreisen die Aufgabe auferlegt, mal die Duty-Free-Shops in den Umsteige-Flughäfen zu durchstreifen.

Das Ergebnis war erschreckend: Von São Paulo über Doha bis nach Shanghai gibt es überall dasselbe Angebot – dieselben Produkte aus der westlichen Kultur von denselben westlichen Marken und meist auch noch dieselbe Art der Präsentation.

Und, mehr noch: Die Produkte scheinen den Geschmack der Konsumenten zu treffen, hier wie dort. Das zeigte sich auch später auf den Messen, zu denen wir gereist waren, und ebenso in den Hotels und auf den Straßen dort.

Kulturpessimisten klagen schon lange über die Gleichmachung, die ihrer Ansicht nach mit der Globalisierung einhergeht.

Deckblatt der Studie (pdf).

Zurück zu „Origin“: Wie gesagt, konnten und können wir hier wie dort nichts von einem Hunger der Konsumenten nach Produkten mit heimischem Flair feststellen.

Aber vielleicht, dass bei den jungen Leuten einmal das zurzeit noch positive Gefühl, zur globalen Markenwelt dazuzugehören, ins Gegenteil umschlagen kann. Die Generation Z (zwischen 1997 bis 2012 geboren) hat den Globus schon inspiziert und könnte sich einmal einer Kultur nach ihrer individuellen Wahl anschließen, vielleicht der heimischen.

Wir als Natursteinleute könnten das nur begrüßen: Erstens, weil wir die Atmosphäre der historischen Stadtkerne überall auf dem Globus so lieben, und zweitens, weil dort Stein und Beständigkeit die Atmosphäre prägen.

Kurios an der Studie ist in diesem Zusammenhang, dass Cosentinos Produkte nichts mit „Origin“ zu tun haben. Silestone und Dekton sind industriell gefertigte Kunststeine und können überall auf der Welt nach demselben Rezept in denselben Abläufen hergestellt werden.

Wären sie uns in den Duty-Free-Shops zum Kauf angeboten worden, hätten wir uns überhaupt nicht gewundert.

Download: „Shaping Tomorrow: Future Design & Architecture 2025-2026