Fairchild’s Garden in London.

Oft sind es gerade die kleinen Orte in einer großen Stadt, zu denen man die besten Geschichten erzählen kann. Zum Beispiel der Fairchild’s Garden in Londons Innenstadtbezirk Shoreditch: Dessen Name geht auf einen der führenden englischen Gärtner der Zeit um 1700 zurück, und die Anlage direkt an der heute viel befahrenen Hackney Road wurde kürzlich mit Erinnerungen an ihn neu gestaltet.

Benannt ist der kleine Park nach Thomas Fairchild (1667 – 1729): Er gilt als einer der führenden Stadtgärtner seiner Zeit, wobei man ihn wohl besser als Botaniker bezeichnet. Denn er schrieb ein wegweisendes Buch mit einer Bestandsaufnahme jener Bäume, die am besten mit der zunehmend verdreckten und trostlosen Metropole zurechtkamen.

Thomas Fairchild (1667 - 1729). Quelle: Wikipedia

Seine biologische Forschungsarbeit war wichtig für die Wissenschaft: In berühmt gewordenen Versuchen brachte er von Hand die Pollen der einen Pflanze auf die entsprechenden Organe der anderen auf und erzeugte so Hybride, die in der Natur normalerweise nicht vorkommen. Mit dieser Methode konnte man – vor den Zeiten der Genetik – gewünschte Merkmale von der einen Art auf eine andere übertragen. Vorbild war die Zucht von Maultieren, die man seit alters als Kreuzung von Eselhengst und Pferdestute schuf, weshalb die von ihm geschaffene Pflanze gerne als „Fairchild’s Mule“ bezeichnet wird.

Kuriosität am Rande: Fairchild errang zwar Ruhm damit, wurde aber nie recht glücklich – zeitlebens machte er sich den Vorwurf, in Gottes Schöpfung eingegriffen zu haben. Jedenfalls geht noch heute die jährliche Predigt über “The wonderful works of God in the Creation“ (Die Wundertaten Gottes in der Schöpfung) auf ihn und das von ihm ausgesetzte Honorar von £25 zurück.

Fairchild’s Garden in London.

Der neugestaltete Park war ehemals ein Friedhof, auf dem auch Fairchild sein Grab hat. Zuletzt war der Ort völlig heruntergekommen; nur noch Trinker trieben sich dort herum, wie der Bezirk schreibt.

Fairchild’s Garden in London.

Seit der Neugestaltung wird an einigen Stellen an Fairchild erinnert: An den Trittstufen zum Zugang wird der Name des Parks genannt und vor einigen Sitzbänken sind Granitplatten im Boden mit Informationen zum Wirken Fairchilds verlegt. Verwendet wurden die Granite Carlow Stone (Irland) und Alpendorada (Portugal).

Die Firma Hardscape und deren Tochtergesellschaft Hardscape Surfaces haben die Steinarbeiten ausgeführt.

Die Gesamtgestaltung des Parks oblag dem Büro Ares Landscape Architects, dessen Ziel ein „einer sicheren, einladender und flexible Raum (war), der den Bedürfnissen der lokalen Gemeinschaft entspricht“.

Fairchild’s Garden in London.

Unter anderem erweiterten die Architekten den Hauptzugang zur Anlage und integrierten einen Kiosk. Neue Wege mit Natursteinbelag führen durch das Gelände, Arrangements zum Sitzen sind als Einladungen zum Verweilen integriert.

Auf ihrer Webpage schreiben die Landschaftsarchitekten: „Das Gesamtergebnis ist ein unverwechselbarer, hochwertiger öffentlicher Raum, der das kulturelle Erbe auf subtile Weise in die Gestaltung integriert.“

Hackney Council, Fairchild’s Garden

Ares Landscape Architects

Hardscape

Fotos: Gary Manhine on behalf of Hackney Council

Fairchild’s Garden in London. Quelle: Architekten