Cersaie 2025.Cersaie 2025.

Nachhaltigkeit ist auch in der Keramikbranche das große Thema. Das zeigte sich auf der 42. Ausgabe der Messe Cersaie für Fliesen und Badezimmerausstattung, die vom 22. – 26. September 2025 in Bologna (praktisch zeitgleich mit der Natursteinmesse Marmomac in Verona) stattfand. Trends waren wie schon in den Vorjahren ein hoher Anteil an Recyclingmaterial am Material und reduzierter CO2-Ausstoß beim notwendigen Brennen der Rohmasse. Daneben ging es bei einigen Anbietern um reduzierte Dicke der Fliesen und immer größere Formate.

Zunächst die Messezahlen: Auf einer Ausstellungsfläche von 155.000 m² präsentierten sich in den 16 Messehallen 627 Aussteller (2024: 606). Davon kamen 39 % aus dem Ausland aus 29 Ländern. Insgesamt besuchten 94.577 Fachleute die Messe (-0,8 % gegenüber 2024). Hier betrug der Auslandsanteil 47,5 %. Auf Einladung der italienischen Handelsorganisation ITA und des Außenministeriums besuchten 210 Einkäufer die Messe in Bologna.

Cersaie 2025.

Unter anderem wurden Fliesen gezeigt, die nur noch 2 mm Dicke haben (in Worten: zwei Millimeter), nachdem man in den letzten Jahren schon von sechs auf drei Millimeter herunter war, und sofort interpretierte die Branche das in Richtung Nachhaltigkeit: Herausgestellt wurde, dass der Energieverbrauch beim Brennen dieser Dünnstücke entscheidend niedriger sei als bei den Normalprodukten, und dass man aufgrund des geringeren Gewichts beim Transport weniger CO2 freisetze.

Tatsächlich ist die Branche extrem aktiv, um die Ökobilanz ihrer Produkte zu verbessern. So läuft zum Beispiel in der Emilia Romagna, einem Zentrum von Italiens Fliesenfirmen, das EU-geförderte Projekt CCS4CER: Hier geht es darum, das CO2 aus dem Herstellungsprozess der Fliesen abzuscheiden und zu karbonatisieren, das heißt, aus dem Treibhausgas zum Beispiel Baustoffe zu machen. An dem vielversprechenden Verfahren wird seit langem geforscht, aber es steht noch am Anfang.

Cersaie 2025.

Weitere wichtige Themen waren:
* Supergrößen wie 320 x 160 cm (10.5′ x 5.25′) und mehr sind inzwischen so weit verbreitet, dass Handwerker mit Know-how zum Verlegen schwierig zu finden sind;
* Fortschritte im Digitaldruck erlauben hyperrealistische Dekors, wobei nicht nur echte Stoffe wie Naturstein oder Holz nachgebildet werden, sondern kreativ neue Steinsorten oder neue Hölzer erfunden werden;
* 3D-Oberflächen und geometrische Reliefs sind in vielen Varianten zu finden;
* bioaktive Keramiken sind ein anderes Thema: Ihre Oberflächen sollen antibakterielle, schadstoffreduzierende und selbstreinigende Eigenschaften besitzen;
* wieder wurden magnetische Fliesen präsentiert. In der Vergangenheit war ihr Schwachpunkt, dass der Untergrund extrem eben sein muss;
* Vitra Fliesen präsentierte die V-Tone-Technologie, die Farbunterschiede zwischen den Produktionschargen beseitigen soll.

Cersaie 2025.

Mit der „Full Body“-Technologie könnte die Keramikbranche in neue Anwendungen vorstoßen: Hier wird Granulat mit Mineralflocken vermischt und unter hohem Druck bei 1300 Grad Temperatur gepresst. Anders als bei klassischer Keramik, wo auf eine Trägerschicht ein Materialbild aufgedruckt wird, besteht hier die ganze Fliese aus einem einheitlichen Stoffgemisch.

Das erlaubt Materialdicken wie bei Bausteinen. Die Firma Ariostea als einer der Entwickler schreibt dazu: „Die Full Body³-Technologie ist das Ergebnis von über 30 Jahren Materialentwicklung mit dem Ergebnis, dass Keramik nicht mehr nur flache Dekoration ist, sondern für langlebige Bauteile verwendet werden kann.“

Die Cersaie des Jahres 2026 wurde um eine Woche nach vorn verlegt und findet vom 21. – 25. September statt.

Cersaie

Fotos: Cersaie