Brasiliens Natursteinbranche spannt die Muskeln. Nach Jahren des Jammerns über gravierende Schwächen im Auslandsgeschäft scheinen die Exportfirmen nun die Probleme wirklich lösen zu wollen: Im Kern geht es um Diversifizierung, also das Erobern neuer Märkte, und auch um mehr Wertschöpfung aus den natürlichen Ressourcen. In den letzten Wochen bekamen wir vom landesweiten Verband Centrorochas verschiedene Pressemitteilungen, die über Aktivitäten in Dubai und verstärkte Anstrengungen auf dem US-Markt informierten.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist das doppelte Dilemma bekannt: Zwar liegt Brasilien mit seinen wunderschönen Quarziten und Graniten im weltweiten Vergleich (nach exportierten Mengen) an dritter Stelle. Aber gleichzeitig steckt es in einer gefährlichen doppelten Monokultur: Fertigprodukte wie Arbeitsplatten liefert man fast ausschließlich in die USA, und für Rohblöcke ist beinahe allein China das Ziel.
Das heißt bildlich: Wenn jemand in den USA oder China ein Fenster aufmacht, gibt es in Brasiliens Steinbranche heftigen Durchzug.
Zudem sind die Erträge, die man mit den eigenen Steinsorten einfährt, nicht wirklich gut. Das zeigt die Tabelle aus dem Statistik-Jahrbuch von Dr. Carlo Montani aus dem Jahr 2021: Das Land mit dem höchsten rechnerischen Ertrag pro Tonne/Fläche war Italien, und weit abgeschlagen kommt erst Brasilien – trotz seiner einmaligen Steine.
Vermutlich hat sich seitdem nicht viel an der Rangfolge der Länder geändert.
Schon vor zehn Jahren hatte Cid Chiodi, Berater beim damaligen landesweiten Verband Abirochas, die Situation beklagt und eine „Terceira Onda“ (Dritte Welle) mit Diversifizierung der Zielmärkte und höherwertigen Produkten gefordert.
Das war jedoch nie wirklich gelungen.
Nun scheint bei den Firmen in Sambalândia ein neuer Wind aufgekommen zu sein:
* Mittlerer Osten, Dubai: Am 03. Oktober 2025 traf sich Fábio Cruz, Vizepräsident und treibende Kraft beim Verband Centrorochas, mit dem Projektentwickler Alpago Properties, der auf der künstlichen Insel Palm Jumeirah ein Vorhaben mit 6000 Luxuswohnungen vorantreibt. Dort sollen viele Natursteinobjekte als Designdetails verbaut werden. „Jedoch hat es Probleme gegeben, die hohen Erwartungen der Kundschaft von Milliardären zufriedenzustellen“, schreibt Centrorochas auf seinen Webseiten.
Aktuell sei man deshalb dabei, die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten und „die nächsten Schritte festzulegen, wie man Brasiliens Steine für Luxusarchitektur im ganzen Mittleren Osten etablieren kann“. Ein weiteres Ziel ist, ein „regionales Verteilzentrum“ für den Mittleren Osten zu schaffen.
In den USA wird es in den kommenden Wochen zahlreiche Aktivitäten geben:
* Vom 23. bis 26. Oktober 2025 präsentiert sich Centrorochas bei der „Bond Custom“ in Orlando, Florida. Dort sollen Architekten und Designer für Luxusobjekte mit Lieferanten hochwertiger Materialien zusammenkommen. Bereits 2022 hatte Centrorochas an solch einer Veranstaltung auf den Bahamas teilgenommen.
* Ein paar Tage vorher, am 20. Oktober 2025, findet ein Treffen mit US-Architekten in Brasiliens Botschaft in Washington, DC statt, und in den beiden Tagen danach will man dort Organisationen der Wirtschaft und der Politik treffen. Im Kern wird es dabei wohl, wie bei einem Treffen vor ein paar Monaten, um eine Stellungsnahme zu den Zöllen des US-Präsidenten gegen brasilianische Einfuhren gehen: Zuletzt hatte man den US-Vertretern klarzumachen versucht, dass die importierten Steine in den USA Arbeitsplätze in der Weiterverarbeitung sowie im Verkauf und in der Installation schaffen würden.
Bemerkenswert dabei ist, dass der brasilianische Verband als Unterstützer nun dafür eine US-Lobbyfirma angeheuert hat.
Und über diese bloße Tatsache hinaus ist auch bemerkenswert, wie die Entscheidung darüber zustande kam: Bei einem Treffen des Centrorochas-Verwaltungsrats am 16. September 2025 fand die Idee mit der Lobbyfirma Zustimmung – jedoch würde man, mitten im Jahr, dafür keine Gelder von der staatlichen Exportorganisation Apex bekommen können, die alle vorgenannten Aktivitäten unterstützt. Wir zitieren Centrorochas: „Der Beirat fasste den Entschluss, freiwillige Beiträge seitens der Mitgliedsfirmen gerne anzunehmen.“
* Aktivitäten auf der politischen Ebene wird es am 27. und 28. Oktober 2025 geben, wieder in Washington, DC: Dann hat Apex ein Treffen mit dem Atlantic Council. Das ist ein Thinktank, der sich der Führungsrolle der USA widmet. Centrorochas ist auch eingeladen und will am „Dialog über kommerzielle und institutionelle Möglichkeiten zwischen Brasilien und den USA teilnehmen.“
* Schließlich: Um die brasilianischen Firmen fit für die anspruchsvollen Weltmärkte zu machen, soll es „eine doppelte Mitgliedschaft zwischen Centrorochas und dem US-Verband NSI“ geben: Ziel ist, den Firmen Zugang zu Bildungsmaterial und Datenbanken zu geben.

