Die Kew Gardens in London, die mit ihren spektakulären Gewächshäusern und ausgedehnten Außenanlagen zu den ältesten und größten botanischen Gärten der Welt zählen, haben seit Juni 2025 eine neue, moderne Attraktion: Es ist der „Garten des Kohlenstoffs“ (Carbon Garden) und man ahnt schon, dass es im Kern um den Klimawandel geht. Dort hat der Malteser Architekt Jonathan Mizzi ein außergewöhnliches Objekt geschaffen, das das komplexe Thema anschaulich macht: Das Bauwerk mit geschätzt 20 m Höhe symbolisiert eine Pflanze, die aus dem Boden herausgewachsen und zu einer Art von Baum geworden ist.
Ausschließlich natürliche Materialien wurden dafür verwendet: Granitstelzen tragen die Struktur, darauf sind elegante Bögen aus Holz aufgesetzt, und über allem dehnt sich ein Dach aus natürlichen Fasern. Die Wiederentdeckung der klimafreundlichen, traditionellen Baustoffe ist hier das Thema.
Das Dach schützt die Besucher des Gartens vor Regen und leitet das Wasser von oben in die Umgebung, und spätestens hier merkt der Betrachter, dass da etwas nicht stimmt: Denn dieser Baldachin steht nicht gerade, sondern ist ein wenig geneigt, und allmählich kommt der Betrachter zu der Erkenntnis, dass die Konstruktion auch an die Form der fleischfressenden Kannenpflanzen angelehnt ist.
Vermutlich entschied sich der Architekt ohne Hintergedanken für diese Form des Daches als Sammelstelle. Eher wollte er wohl die vielfältige Funktionalität des Design der Natur unter Beweis stellen.
So sieht er auch das ganze Werk nicht als Baum, sondern als Fruchtkörper eines Pilzes: Beim Pilz ist die eigentliche Pflanze das unterirdische Wurzelgeflecht (Mycelium), das man nie sieht; nur im Herbst treibt es an vielen Stellen seine Fruchtkörper in die Höhe. Das ist der Pilz, wie ihn die Menschen kennen und der manchmal sogar genießbar ist.
Manchmal aber auch giftig, und in manchen Fällen auch noch heimtückisch weil, etwa als Fliegenpilz mit weißen Punkten auf einem lustigen roten Hut, geradezu teuflisch anziehend, besonders für kleine Kinder.
Mizzi will mit seiner Installation hingegen das Gleichgewicht von Mensch und Natur zum Thema machen: „Der Kohlenstoff-Garden soll zum Handeln anregen, will die Besucher zu Botschaftern der Natur machen und ihnen einfache Alltagslösungen für die Gesundheit unseres Planeten an die Hand geben.“
Der Architekt wurde bekannt mit seinem Vorschlag für einen „Digitalen Zwilling“ für die Blue Lagoon (Blaue Lagune) an der Küste der maltesischen Insel Comino: Diese natürliche Bucht, ähnlich den Lagunen in den tropischen Meeren mit glasklarem Wasser und reicher Tier- und Pflanzenwelt, ist vom Übermaß an Tourismus bedroht. Mizzi regte ein Abbild der Lagune aus 4500 Drohnenfotos und zwei Milliarden Bildpunkten an, das als Grundlage für Schutzmaßnahmen dienen soll.
Fotos: Luke Hayes, Eden Rice/Mizzi Studio
Fabrication: Xylotech
Engineering: Atelier One






