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Architektur: Stadion im ehemaligen Steinbruch

(Mai 2011) Die Fußballfans der Stadt Braga im Norden Portugals nennen ihr Stadion liebevoll „Steinbruch“ („A pedreira“) und wenn ihre Mannschaft dort spielt, lassen sie es richtig krachen, auf dass man es weit hört. Denn diese Fußballarena hat einige Besonderheiten: die Seite zur Stadt ist ganz offen, auf zwei weiteren Seiten liegen sich die Zuschauertribünen gegenüber und die vierte Seite ist die Wand eines ehemaligen Steinbruchs.

Eduardo Souto de Moura, kurz Souto Moura gerufen, hat unter anderem für dieses Stadion den diesjährigen Pritzker-Preis bekommen. Die Auszeichnung wird gerne als Nobelpreis für Architekten bezeichnet und ist mit 100.000 US-$ dotiert.

In Büchern oder Texten wird über Eduardo Souto de Moura herausgestellt: die Mauer sei für ihn das zentrale Element des Bauens, und deshalb kämen Quader aus Naturstein überall vor. Nachvollziehen kann man das ohne Zweifel bei der Casa das Artes in seiner Heimatstadt Porto. Es gilt auch für die Pousada Santa Maria do Bouro in Amares, einst ein heruntergekommenes Kloster auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela, das Souto Moura mit viel Rücksicht auf die historische Substanz zu einem modernen Hotel umgestaltete.

Jedoch sind Mauer und Stein zumindest kein Credo für ihn. Bei den Stationen der Metro in Porto ist nichts davon zu sehen, schon gar nicht beim Museum Paula Rego in Cascais, auch nicht beim Eingang zum portugiesischen Pavillon auf der Expo 1998 in Lissabon, über den er ein scheinbar schwebendes Dach aus Beton aufspannte.

Erwähnenswert am Stadion in Braga ist auch, wie das Dach in zwei Hälften aufgespannt ist. Wie der Architekt sagt, ließ er sich bei der Konstruktion von den Seilen über tiefe Täler in Peru inspirieren. Die nutzen die Einheimischen als Wege, indem sie sich mit Astgabeln daran hängen und dann in einer Höllenfahrt auf die andere Seite sausen.

Sporting Clube de Braga (portugiesisch)