Professor Dr. Peter Zec.

Das International Council of Societies of Industrial Design (Icsid) ist eine globale Non-profit-Organisation, die sich für besseres Design einsetzt. Der Rat hat zurzeit rund 150 Mitglieder aus mehr als 50 Ländern und vertritt rund 150.000 Designer. Er will „eine starke Stimme“ für die Belange des Designs sein. Aus Anlass der geplanten Gründung einer internationalen Organisation für die Natursteinbranche sprach Peter Becker von Stone-Ideas.com mit Professor Dr. Peter Zec, einem ehemaligen Icsid-Präsidenten. Zec ist Deutscher und rief die Red Dot Designpreise ins Leben.
 

Stone-Ideas.com: Bei Icsid können nur Organisationen Mitglied werden, Warum nicht auch Einzelpersonen oder Firmen?

Peter Zec: Bei Firmenvertretern oder Einzelpersonen würden deren Einzelinteressen zu sehr eine Rolle spielen. Bei Icsid aber geht es um das Gemeinwohl einer ganzen Branche. Indem wir vorrangig Organisationen als Mitglieder zulassen, werden deren Diskussionsbeiträge sozusagen vorgefiltert und stellen schon einen Konsens einer größeren Gruppe dar.
 

Stone-Ideas.com: Welche Ausnahmen gibt es?

Peter Zec: Im Design gibt es besonders renommierte Leute, die in den nationalen Organisationen nicht mehr aktiv sind. Deren Ansichten aber wollen wir auch hören, einfach weil sie mit ihrer Arbeit ja viel Erfolg haben. Also können solche Einzelfirmen ebenfalls einen Antrag auf Aufnahme stellen. Den prüft das Board, also der Vorstand, und schließlich entscheidet die Generalversammlung.
 

Stone-Ideas.com: Besteht bei einer globalen Organisation nicht die Gefahr, dass sie weit abgehoben von den Mitgliedern ist?

Peter Zec: Dieser Gefahr können Sie begegnen, indem es eine demokratische Entscheidungsfindung gibt und indem diese auch für alle Mitglieder transparent ist. Bei Icsid geht zum Beispiel vor den Sitzungen des Boards an alle Mitglieder ein Newsletter mit den Themen, so dass Ergänzungen möglich sind. Nach den Sitzungen gibt es wieder ein Rundschreiben mit Informationen über alle Beschlüsse.
 

Stone-Ideas.com: Wer macht diese Arbeit?

Peter Zec: Unser Office, das in Montreal sitzt. Es gibt dort einen Geschäftsführer, der die Beschlüsse des Boards vorbereitet und umsetzt. Dieser Geschäftsführer muss, weil in einer globalen Organisation die Kulturen aufeinanderprallen, eine hohe diplomatische und internationale Kompetenz haben. Bei uns ist es eine Geschäftsführerin, eine Kanadierin mit asiatischem Hintergrund. Sie trägt viel zu einem respektvollen Miteinander auf allen Ebenen bei und gleicht auch aus zwischen starken und schwächeren Mitgliedern.
 

Stone-Ideas.com: Wie oft trifft man sich bei Icsid?

Peter Zec: Das Board trifft sich vier Mal im Jahr, jeweils an einem anderen Ort.
 

Stone-Ideas.com: Wer bezahlt das?

Peter Zec: Alle Rollen werden ehrenamtlich ausgeübt, außer die der Geschäftsführung. Kalkulieren Sie als Reisekosten für ein Vorstandsmitglied 30.000 bis 40.000 Euro während der Amtszeit von zwei Jahren. Das bezahlt jeder Vorstand natürlich selbst. Der Zeitaufwand liegt bei mindestens einem Monat pro Jahr.
 

Stone-Ideas.com: Warum nimmt jemand solch eine Belastung auf sich?

Peter Zec: Sie können die Zukunft ihrer Branche mitgestalten, das ist es. Außerdem werden Sie und natürlich auch Ihre Firma sichtbar. Und durch gute Arbeit bekommen sie ein hohes Renommee.
 

Stone-Ideas.com: Und die Generalversammlung?

Peter Zec: Sie findet alle zwei Jahre statt und dauert eine Woche. Das Mitgliedertreffen wird durch einen Kongress ergänzt, auf dem Experten zu den aktuellen Themen Denkanstöße geben.
 

Stone-Ideas.com: Die Generalversammlung findet ebenfalls immer an einem anderen Ort statt, richtig?

Peter Zec: Ja, das muss so sein, zumindest in der Anfangszeit einer globalen Organisation. Dies nicht nur, damit alle Mitglieder den Kongress mal in ihrem Land haben. Es hat auch finanzielle Vorteile: Wenn die jeweiligen Veranstalter den internationalen Charakter des Treffens herausstellen, kommen die Politiker gerne für eine Rede und ein paar Pressefotos vorbei. Dann gibt es auch finanzielle Unterstützung.
 

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