Wohntürme aus vergangenen Jahrhunderten sind noch heute Akzente in der Landschaft, die die Fantasie der Nachgeborenen anregen. Man kennt sie aus ganz Europa; eines der Exemplare ist der Fairburn Tower, knapp 30 km von der schottischen Stadt Inverness (und dem Monster von Loch Ness) entfernt. Die Restaurierung durch die Architekten des Büros Simpson & Brown kam 2025 auf die Shortlist des Andrew Doolan Best Building Award, des höchsten Preises der Royal Incorporation of Architects in Scotland (RIAS).
Dass das Bauwerk gerettet werden konnte, ist dem Landmark Trust zu verdanken. Der rettet historische Zeugnisse vor dem Verfall und gibt ihnen eine neue Funktion als Ferienwohnung. Außerordentlich hoch ist nicht nur das finanzielle Risiko, das der Trust mit solchen Projekten eingeht. Beispielhaft ist auch, wie die gemeinnützige Organisation die Geschichte des Gebäudes und seiner ehemaligen Bewohner sowie die denkmalgerechte Rettung dokumentiert.
Zum Fairburn Tower gibt es auf der Webpage des Trusts zahlreiche Bilder aus der Zeit vor der Restaurierung und danach und ebenso ein pdf mit ausführlichen Beschreibungen der Sanierung.
Natürlich: Für potenzielle Gäste werden auch die Wohnsituation und die Ausstattung beschrieben. Im Fall des Fairburn Tower heißt das: Es gibt fünf Stockwerke, die beiden oberen sind die Schlafzimmer, das eine mit einem Doppelbett, das andere mit zwei Einzelbetten. Wer dort einzieht, muss also Treppen steigen, dafür aber ist der 360-Grad-Blick auf die schier unendliche Landschaft grandios.
Errichtet wurde der Wohnturm um 1545 von Murdoch („Murdo“) Mackenzie, der ein besonderer Vertrauter des schottischen Königs war, nämlich dessen Kammerdiener. Vermutlich als Belohnung für seine Dienste bekam er den Bauplatz; im Gegenzug hielt er von seinem Turm wohl Ausschau, ob es feindliche Zusammenrottungen in der Gegend gab.
Im Jahrhundert darauf wurde der Turm erweitert, nachempfunden in einer Zeichnung: Damals kam der seitlich angebaute Treppenturm hinzu, durch den die Zimmer im Inneren des ursprünglichen Schachtes geräumiger wurden.
1715 kam es zum sogenannten Jakobitenaufstand, mit dem die Stuarts die Macht auf den britischen Inseln wiedererlangen wollten – die Nachfahren von Murdo Mackenzie setzten aber auf die falsche Seite und verloren Macht und Einfluss.
In der Folge blieb der Turm lange Zeit ohne Bewohner und also ohne Schutz vor Wind und Wetter. In einer Beschreibung aus den 2020ern zum Stand der Dinge heißt es: „Der Treppenturm hatte sich vom Hauptgebäude gelöst, das enorme Gewicht der Steine hatte ihn abgerissen. Spalten, die breit genug waren, um einen Arm hindurchzustecken, schlängelten sich von den rissigen Stürzen am Sockel bis hoch zur Brüstung. Steine, die neu herabgefallen waren, zeigten, dass die Risse immer noch aktiv waren und ihr zerstörerisches Werk fortsetzten.“
Damals startete der Landmark Trust zusammen mit den Architekten von Simpson & Brown das Projekt.
Als eine der Stabilisierungen wurde in den Treppenturm eine Beton-Wendeltreppe eingebaut.
Bezüglich der Details der Restaurierung war auch zu klären, wie die Mauerzinnen am Dach aussehen sollten. Von ihnen war nichts übrig geblieben. Was die Deckung für das Dach angeht, griff man auf Schiefer aus Abrisshäusern zurück, da die ehemaligen Brüche in Schottland nicht mehr in Betrieb sind.
„Die Innenwände wurden gekalkt, und Fragmente des ursprünglichen Kalkputzes wurden erhalten und sichtbar belassen,“ heißt es zu einem Aspekt des Denkmalschutzes. Die eingebauten Bäder und Duschen sind an die historischen Materialien angepasst.
Auch die neue Bemalung der Decken war eine besondere Herausforderung, denn sie musste komplett neu erfunden werden, berücksichtigt aber den Geschmack vergangener Jahrhunderte: Die Darstellungen „zeugen von großer Fantasie und Vielfalt und zeigen alle möglichen dekorativen Elemente: klassische Motive mit Menschen und Tieren, Pflanzen und Früchte, Grotesken. Familienikonografie oder Heraldik tauchten zwar auf, aber nur als relativ unbedeutende Elemente. Es war eine Zeit, in der Embleme und verschlüsselte Anspielungen, die vom Betrachter entschlüsselt werden konnten, sehr beliebt waren.“
Der Trust schreibt auf seiner Seite an die Adresse potenzieller Gäste: „Hier können Sie Geschichte hautnah erleben, an einem Ort, der die gesamte romantische und turbulente Vergangenheit Schottlands widerspiegelt, und inmitten der wunderschönen Landschaft der Highlands liegt.“
pdf der Restaurierung und der Gebäudegeschichte
Fotos: Landmark Trust








