Barocke Pracht prägt die Epitaphe auf dem Gesandtenfriedhof in Regensburg.

Der Gesandtenfriedhof in Regensburg ist eine ganz besondere Begräbnisstätte, nicht nur wegen seines Namens. Denn dort sind die Diplomaten des Immerwährenden Reichstags des Heiligen Römischen Reiches begraben.

Der Reihe nach. Der Immerwährende Reichstag tagte von 1663 bis 1806 in der Donaustadt. Es war die dauerhafte Versammlung der Reichsstände im Heiligen Römischen Reich. Anfangs hatten sich deren Gesandte in unregelmäßigen Abständen in verschiedenen Städten getroffen, um die Angelegenheiten der zahlreichen Territorien im Herrschaftsgebiet der deutschen Kaiser zu erörtern.

Ab 1594 kamen sie in Regensburg zusammen, ab 1663 wurde die zuvor zeitweilige Zusammenkunft zu einer ständigen Einrichtung – daher die Bezeichnung „Immerwährender Reichstag“.

Da die Diplomaten von nunan oft jahrelang in der Stadt lebten und manche von ihnen sogar dort verstarben, benötigte man einen angemessenen Friedhof für sie und ihre Familien. Ausgewählt wurde ein etwa 300 Quadratmeter großes Gelände, das die Dreieinigkeitskirche im Osten und Süden als schmaler Hof umgab und umgibt.

Auf der Website des Friedhofs heißt es: „Die in- und ausländischen Adelsfamilien brachten dem biederen Regensburg der Kaufleute und Handwerker weltstädtischen Glanz. Sie residierten standesgemäß aufwendig, feierten rauschende Feste und brachten damit Kultur und Wirtschaft für fast 150 Jahre zu neuer Blüte.“

Barocke Pracht prägt die Epitaphe auf dem Gesandtenfriedhof in Regensburg.

Heute gilt der Gesandtenfriedhof als Beispiel der Friedhofskultur vergangener Jahrhunderte. Es handelt sich um ein Ensemble aus 20 Barock-Epitaphen und 37 großen Grabplatten, die den Rang eines europäischen Kunstdenkmals haben. Als Epitaphe bezeichnet man Kunstwerke als Erweiterung eines Grabmals, die oft aufwändig und von großer künstlerischer Qualität sind. In Innenräumen sind Epitaphe manchmal Gemälde, in Außenräumen Arbeiten von Steinbildhauern.

Der Gesandtenfriedhof wurde im Mai 2024 zum „document“ erhoben und besitzt somit eine gehobene Bedeutung im kulturellen Umfeld. Zu seinem Erhalt hat ein Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz am 09. Dezember 2025 einen Fördervertrag in Höhe von 25.000 Euro an den Pfarrer der Dreieinigkeitskirche übergeben. Das Geld stammt aus Spenden und den Erträgen der Lotterie GlücksSpirale.

Gesandtenfriedhof

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Fotos: Michael Fell