Qualifizierte Handwerker und der unternehmerische Mittelstand sind seit alters her wichtige Stützen der europäischen Gesellschaften. Unser Foto zeigt die Teilnehmer am Steinmetz-Berufswettbewerb auf der Stone+tec in Nürnberg vor zwei Jahren. Ganz rechts: Sybille Trawinski, neben ihr Stefan Lutterbeck, Landesinnungsmeister Nordrhein-Westfalen, in der Mitte Bundesinnungsmeister Markus Steininger. Die Messe wird 2026 vom 17. bis 20 Juni wieder stattfinden.

Die BILD-Zeitung hatte das Thema wie gewohnt anschaulich dargestellt: „Deutschland schraubt am Wehrdienst“, hatte sie in einem Beitrag geschrieben. Darin ging es um einen Vorschlag aus dem Deutschen Handwerks-Zentralverband ZDH. Dessen Generalsekretär Holger Schwannecke hatte angeregt, dass ein neuer Zivildienst (als Alternative zum Wehrdienst) doch im Handwerk abgeleistet werden könnte. Schließlich seien dessen Berufe auch entscheidend für die Sicherheit und Versorgung der Gesellschaft, „sei es beim Bau und Erhalt unserer Infrastruktur oder der Daseinsvorsorge durch Lebensmittelhandwerke“.

Umgekehrt könnte das für das Handwerk hilfreich sein, um jungen Leuten eine Berufsorientierung zu geben und sie an eine Ausbildung heranzuführen, hatte Schwannecke nicht verschwiegen.

Neu ist das Thema nicht, allerdings zieht es im Moment größere Kreise. Die Meldung der Bildzeitung von gestern (15. Dezember 2025) war vom Deutschlandfunk verbreitet worden; die ZEIT hatte am selben Tag die Wiedereinführung eines Zivildienstes diskutiert und die Vorstellungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands dazu wiedergegeben.

Bereits im Sommer hatte der ZDH-Generalsekretär in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seine Gedanken zu einem neuen Zivildienst auch im Handwerk vorgestellt: „Das Handwerk bietet in verschiedenen Gewerken viele sinnstiftende Tätigkeitsfelder, etwa in der Denkmalpflege oder im Bereich klimaschonender Gebäudetechnik“, sagte er.

Als organisatorisches Vollbild für solch eine Alternative zum Wehrdienst sieht er das Freiwillige Berufsorientierungsjahr im Handwerk (FBJ), das es in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Teilen von Nordrhein-Westfalen gibt. Im Moment ist es als eine Art Schnupperjahr ausgelegt, bei dem die jungen Leute vier Jobs kennenlernen.

„Ein strukturiertes ,Freiwilliges Handwerksjahr‘ kann hier ein echter Baustein sein“, so Schwanneke, „es ist freiwillig, praxisnah und förderlich für die Berufsorientierung. So können gesellschaftliches Engagement und berufliche Entwicklung Hand in Hand gehen, was langfristig den Fachkräftenachwuchs stärkt.“

Sybille Trawinski, Geschäftsführerin beim Steinmetz-Bundesverband BIV, findet die Debatte viel versprechend, schließlich bestehe hier eine Möglichkeit, das Handwerk fördern. Bei den Steinmetzen zum Beispiel haben Betriebe Schwierigkeiten, Nachfolger zu finden, weshalb der Verband mit der Kampagne „Stein macht Stolz“ junge Leute für eine Ausbildung interessieren will.

Auf den ersten Blick heikel ist bei solch einem neuen Zivildienst wie angedacht aber die Verknüpfung von Nutzen für die Allgemeinheit mit den Interessen der Wirtschaft oder von Teilen der Wirtschaft. Dazu meint Sybille Trawinski: „Jetzt an diesem Wendepunkt kann man die alte Idee von einem Zivildienst doch auch mal neu denken – es muss doch nicht zwingend nur um rein soziale Berufe gehen. Die Gesellschaft braucht das Handwerk, und über ein Zivildienstjahr im Handwerk öffnen wir bestimmt bei vielen jungen Menschen die Tür ins Handwerk. Und das kommt am Ende allen in der Gesellschaft zugute.“

BILD

Frankfurter Allgemeine Zeitung / ZDH

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