Die Möglichkeiten, die Natursteinbricks (engl.: Stone Bricks) sowohl Bauherren und Architekten als auch der Branche bieten, waren eines der Themen beim 2. Stone Symposium des britischen Verbands Stone Federation GB. Experten beleuchteten im November 2025 – bei einer Podiumsdiskussion vor Ort oder per Webinar – viele Aspekte des Themas, und es kamen dabei einige unerwartete Perspektiven hervor.
So wie die klassischen Backsteine ein erschwingliches Massenmaterial vergangener Jahrhunderte waren, so können Natursteinbricks diese Rolle in Zeiten des Klimaschutzes übernehmen, sagte Marcus Paine, Chef der Firma Hutton Stone, die schon mit diesen Neuerungen am Markt ist. Er verwies darauf, dass die Steinbranche in den vergangenen Jahrzehnten, wenn es um dreidimensionale Bauelemente ging, sich auf individuelle Produkte oder künstlerische Elemente konzentrierte, dass vorher aber das Bauen mit Stein immer und wesentlich ein Verwenden von Standardgrößen gewesen war.
Anders formuliert: Der wesentliche Teil der Mauern schon in den Tempeln der Antike war aus (Mini-)Blöcken in Routinegrößen hochgezogen – nur wenige Teile wurden als Verzierungen aufwändig ausgearbeitet. Und selbst dann wurden solche Schmuckstücke im Regelfall in größerer Zahl angefertigt.
Aus Sicht der Branche von heute bringen die Natursteinbricks auch ein Umdenken bezüglich des Materials. Denn: Während die Lieferanten bisher zum Beispiel mit teurem Marmor ihren Kunden Ausdrucksmöglichkeiten für Reichtum oder Lebensstil bereitstellten, wird das Material im Fall der Bricks ganz gewöhnlich.
Die Debatte darüber hat bisher in der Branche noch nicht einmal angefangen.
Wir merken an: Eine vergleichbare Debatte gab es in der Buchbranche von 1930 an mit dem Aufkommen der Taschenbücher, die der englische Verlag Penguin Books auf den Markt brachte. Viele befürchteten damals im wahrsten Sinne des Wortes eine „Verflachung“ der Literatur, und warfen die Frage auf, ob man sich am Ende gar die heiligen Bücher der Religionen als Paperback vorstellen wolle.
Ein Umdenken für die Branche bringen die Bricks auch insofern, als sie kein Thema für die Exporteure sein werden.
Was aber spricht für sie, wenn sie nun gewöhnlich und nur für die heimischen Märkte sind?
An erster Stelle steht ihr geringer ökologischer Fußabdruck. Nicht weniger wichtig ist die Schönheit des Materials: „Die Kunden schätzen das optisch attraktive Produkt, das man zudem gerne anfasst“, so Edward Powe, Direktor beim Architekturbüro StudioFolk beim Symposium.
Verlockend sei für den Kunden auch die Tatsache, wenn zum Beispiel die St. Paul’s Cathedral oder der Buckingham Palace aus demselben Material gebaut sind.
„Naturstein ist ein unglaubliches Material“, sagte Bijan Danini, Direktor bei Pelmont Property. Als Projektentwickler hat er die Kosten aber sehr genau im Blick. Die seien nur minimal höher als bei klassischen Backsteinen. Dafür aber bekomme das Gebäude einen höheren Wert und lasse sich demzufolge besser vermarkten, so seine Erfahrung.
Schließlich: Die Eigenschaften des Steins machen es denkbar, dass man damit auch Kosten spart. Diese Möglichkeiten muss die Branche aufzeigen.
Michael Poltney, Chef bei Albion Stone, der in der Vermarktung seiner Kalkstein-Bricks gerne mit Hutton Stone (Sandstein-Bricks) zusammenarbeitet, warf an dieser Stelle einen anderen Gedanken auf: Die Größe der Bricks könne im Werk für jede Charge individuell festgelegt werden, sodass man auch Menge und Gesamtlänge der Fugen und damit die benötigte Menge an Mörtel steuern könne.
Das heißt für die Kreativen unter den Architekten: Sie können mit dem Fugenraster und Farbmustern spielen. Albion und Hutton haben das schon vorgeführt.
Wir zeigen ein paar Beispiele für den so genannten „Backstein-Expressionismus“ mit normalen Ziegeln:
Übrigens: Auch die Natursteinbricks sind schon lange über den einfachen Quader hinausgewachsen.
Der Markt ist jedenfalls vielversprechend. Schließlich werden je nach Jahr in Großbritannien von 1,6 bis 2,3 Milliarden Backsteine verbaut, so Statistiken der Regierung. Davon kommen rund 300 Millionen als Importe ins Land.
Aber: Wie sieht es mit den Steinressourcen auf der Insel aus und wie mit der Produktionskapazität der Firmen? Albion und Hutton haben derzeit Fertigungslinien mit einer Jahresproduktion von zusammen 1 bis 1,5 Millionen Natursteinbricks am Laufen. Was deren Aufstockung oder Modifikationen angeht, merkte Michael Poultney schmunzelnd an: „Wir haben keine Angst vor Nachfrage.“
Aber wird man für solche Mengen von Steinbricks nicht riesige Löcher in die Landschaft graben müssen? Dazu hieß es: Auch das Rohmaterial für herkömliche Ziegel oder für Beton fällt nicht vom Himmel.
Wir fügen hinzu: Alles, was wir verwenden, wird seit Urzeiten entweder angepflanzt oder abgebaut, lautet eine ungeschminkte Bestandsaufnahme unserer Materialwelt.
2. Stone Symposium
Das Stone Symposium wird von der Stone Federation Great Britain zweimal pro Jahr veranstaltet. Man kann vor Ort in London oder online darin teilnehmen. Themen beim aktuellen 2. Symposium waren neben den Stone Bricks:
* Reuse, Circular Economy and Natural Stone
* Structural Stone Projects Case Studies – Finchley Road and Field House
* The Stonut: A Facade for the Future?
* Natural Stone: A Material Agnostic’s Perspective
* A Guide to Structural Stone: An Introduction to Stone Federation’s Industry Guidance
* Research Driving Change around Structural Stone
* EPD Considerations with Structural Stone
Das Seminar kann – komplett oder in den einzelnen Themen – online abgerufen werden
https://www.youtube.com/playlist?list=PLk-8Ug-jHo9FBGQiW6ifjLXfyfethu_A8





