Die Restaurierung von Big Ben gewann einen der RIBA London Awards 2025, die das Royal Institute of British Architects jährlich vergibt. Wahrscheinlich sieht jeder auf der ganzen Welt sofort die schlanke Silhouette des Uhrenturms des Britischen Parlamentsgebäudes vor sich, wenn der Name Big Ben fällt, aber in Wirklichkeit benennt er nur die Glocke mit 13,7 t Gewicht, die die Stunden schlägt.
Der Turm selbst heißt seit 2012 „Elizabeth Tower“, dies als Würdigung des diamantenen Thronjubiläums der damaligen Queen.
Er ist 96,3 m (315 feet) hoch und hat eine quadratische Grundfläche mit 12,2 m (39 feet) Seitenlänge. Markant ist nicht nur seine elegante, schier gewichtslose Form. Unübersehbar ist auch, um was es eigentlich geht – es sind die Zifferblätter mit 7 m (23 feet) Durchmesser in 55 m Höhe.
Noch heute vermitteln sie zusammen mit der Konstruktion die Botschaft von Modernität und Weltmacht: Großbritannien war nach Portugal, Spanien und den Niederlanden auch außerhalb Europas zu einer Wirtschaftsmacht geworden, hatte sich mit der Eisenindustrie zum führenden Player im Bereich von Wissenschaft und Technologie entwickelt und hatte 1884 mit der Greenwich Mean Time (GMT) den Bezugspunkt für alle Uhren und für das Zeitzonensystem rund um den Globus etabliert. Big Ben ist einer der beiden Türme des Parlamentssitzes Westminster Palace.
Errichtet wurde er von den Architekten Charles Barry und Augustus Pugin zwischen 1945 und 1859, als der Vorgängerbau niedergebrannt war. William Turner hatte das Ereignis in einem Gemälde festgehalten.
Der Architekturgeschmack der Zeit zeigt sich im neugotischen Stil, mit aufwändigen Verzierungen aus Naturstein, die von einem Backsteinmauerwerk im Inneren getragen werden.
Dazu merkt der leitende Steinmetz bei den Restaurierungsarbeiten, Rory Smith von der Firma DBR Ltd, an: „Ungewöhnlicherweise war der Turm von innen nach außen gebaut worden, ohne externes Gerüst. Zugegeben, das war eine clevere und effiziente Bauweise, sie passt aber nicht zu modernen Konservierungsarbeiten.“
Sein ausführlicher Bericht zu den Steinarbeiten wurde im Magazin Stone Specialist veröffentlicht und beschreibt viele Details.
Unter anderem nennt er das Materialvolumen am Originalbau: „Er besteht aus 850 m³ Anston-Stein aus Yorkshire, Clipsham-Stein aus Rutland und Caen-Stein aus Frankreich, die 2.600 m³ Ziegelsteine bekleiden.“
Für die Sanierung der Steine kam das komplette Programm zum Einsatz, wie es bei einem 150 Jahre alten Gebäude zu erwarten war: Austausch der Stücke, die von Wind und Wetter zersetzt worden waren, Austausch von Sorten, die aus vorherigen Erneuerungen stammten und farblich nicht zu den Originalsteinen passten, und vieles mehr.
Allerdings war der tatsächliche Umfang der notwendigen Arbeiten dann doch überraschend: „Das Projekt begann mit geschätzten 250 bis 300 Vierungen (die zu ersetzen waren). Diese Zahl stieg schnell auf 900 bis 1000, als wir das gesamte Ausmaß der Beschädigungen und des Verfalls untersuchten.“
Respektvoll ging man mit dem Steinmaterial um: Wo beschädigte Stücke ausgebaut werden mussten, schnitt man sie auf kleinere Stücke herunter und fand neue Verwendungen dafür.
Zum Gesamtprojekt, unter Federführung von Purcell Architecture, gehörten auch der Einbau eines Lifts und die Erneuerung der Räume für Ausstellungen und die Verwaltung.
Die Restaurierungsarbeiten wurden 2022 abgeschlossen, zum Platin-Jubiläum der Queen.
Fotos: House of Commons



