Im April hat im US-Bundesstaat Kentucky wieder die Saison der Pferderennen begonnen, und unbestritten ist, dass es unter anderem mit dem Bluegrass zusammenhängt, dass sich dort das Weltzentrum der Vollblutrassen etabliert hat. Unbestritten ist auch, dass das Bluegrass mit dem Kalkstein-Untergrund zusammenhängt – wir erwähnen das, weil man bei einer Recherche im Internet normalerweise immer auch auf gegenteilige Erklärungen stößt.
Vor allem die Gegend um die Stadt Lexington ist seit vielen Generationen berühmt für die Pferdezucht. Sie dient uns als Beispiel dafür, wie die Steine die Identität einer Region prägen. Der Verband Kentucky Thoroughbred Association schreibt, dass dort 60 Berufe mit dem Pferdegeschäft zusammenhängen und dass diese jährlich rund 2,7 Milliarden US-Dollar direkt und indirekt umsetzen. Die Zahl der Pferde wird auf 238.000 geschätzt, das entspricht einem Tier pro 18 Bürgern im Bundesstaat. Der Verkauf an Tieren bringt pro Jahr knapp 764 Millionen US-Dollar.
Bluegrass gehört zur Familie der Rispengräser (Poa pratensis). Man findet die Pflanze auf der ganzen Welt, und bei Hobbygärtnern ist sie meist nicht beliebt, weil man sie nicht wieder loswird, wenn der Wind einmal ihren Samen aufs Grundstück gebracht hat.
Für Kentucky reden wir nun nicht von privaten Gemüsegärten, sondern von den weiten Weiden, die sich schier endlos über die Rolling Hills ziehen.
Aus Sicht der Pferde muss das Bluegrass wohl ein echter Leckerbissen sein: Es hat reichlich Nährstoffe (aber auch nicht zu viel davon, anders als manche hochgezüchteten Süßgräser), ist schmackhaft für die Tiere (das behaupten die Züchter) und gut verdaulich (das sieht man), was in der Konsequenz bei den Tieren zu einem idealen Knochengerüst und zu kräftigem Muskelaufbau führt.
Zusätzlich dazu sollen die sanften Hügel ideal sein für das Herumtollen der Tiere in jungen Jahren, fügen die Zuchtfarmen gerne hinzu.
Geschuldet ist das alles dem Untergrund aus Kalkstein unter Kentucky: Der Regen löst Calcium und Phosphor aus dem Gestein – die Stoffe wirken wie ein Dünger auf das Bluegrass.
Umgekehrt löst der Regen auch das Gestein selbst, sodass Karst entsteht; über die Jahrtausende brechen dann Teile von dessen vielen Höhlen ein, und es das führt zusammen mit der Verwitterung zu den Wellen in der Landschaft .
Zudem ist das Wasser, das wieder aus dem Untergrund herauskommt, reich an Mineralien und deshalb der Gesundheit dienlich.
An dieser Stelle wird immer auf den Bourbon-Whiskey hingewiesen, der in Kentucky mit demselben Wasser destilliert wird.
Farmen für Pferdezucht findet man überall. Die Namen dort wie „Secretariat“, „American Pharoah“ oder „Seattle Slew“ erinnern an bestimmte Tiere, die bei Rennen phänomenale Leistungen gezeigt hatten. Dahinter steckt ein Millionen-Dollar-Geschäft, bei dem Enthusiasten, Anleger und Glücksspieler mit Züchtern, Veterinären und Jockeys zusammenkommen.
Wie auch sonst wo im Leistungssport sind es am Ende nur wenige Minuten, die über Erfolg oder Misserfolg und damit über ganze Lebensläufe entscheiden.

