„Manchmal muss man sich einfach treiben lassen und der Inspiration folgen“, sagt Alfred Mevissen zu seiner neuen Idee für Kunst mit Stein. Er ist Bildhauer von Haus aus und bezeichnet das Dreidimensionale als seine große Leidenschaft. Gemeint ist damit, dass er seine Objekte aus einem Rohblock herausarbeitet, so wie es üblich ist.
In seiner aktuellen Ausstellung aber zeigt er Arbeiten, bei denen der Eingriff in das Material nur minimal ist: Er bearbeitet nur die Oberfläche, sodass dort bestimmte Strukturen entstehen. Denen fügt er manchmal noch ein Objekt hinzu, das auf der Oberfläche eine Szenerie entstehen lässt.
Bei „Brandung“ zum Beispiel hat er den weißen Marmor zum Teil hochglanzpoliert, zum Teil geschliffen, sodass sich die horizontalen Linien ergeben, in denen man die Wellen an einer Küste erkennen kann. Die beiden Vögel am Himmel darüber runden die Szenerie ab.
In manchen Fällen tut er fast nichts zum Original hinzu, etwa im Fall von „Urknall“.
In anderen Fällen, etwa „Sunrise“, verstärkt er eine Struktur noch mit Farbe, indem er Holzbeize auf die Steinoberfläche dazugibt. Zusammen mit kleinen Details, in denen man Bergsteiger erkennen kann, kommt so das Bild zum Vorschein.
Die Idee für diese Art der Kunst entsteht bei der Betrachtung des Originalstücks, sagt Mevissen.
Es stellt sich die Frage: Ist das noch Bildhauerei oder schon Malerei?
Zusätzlich zu den Arbeiten in Göflaner beziehungsweise Laaser Marmor hat er inzwischen auch Serpentinite verwendet.
Mevissen arbeitete ein knappes Jahrzehnt im Management eines Pharmakonzerns. Irgendwann kam er bei einem Führungskräftetraining mit einem Bildhauer in Kontakt, und die Arbeit am Stein beeinflusste sein Denken. Sein Leitsatz war fortan „Reduce to Grow“ analog zur Bildhauerei, wo der Künstler vom Rohblock etwas wegnimmt, um etwa Neues und künstlerisch Größeres entstehen zu lassen.
Nach einigen Jahren im Job mit Nebenbei-Arbeit am Stein verließ er die Pharmafirma.
Seitdem trat der Europa-Gedanke bei ihm in den Vordergrund, keine große Überraschung angesichts seiner Herkunft aus dem Rheinland, wo der Fluss viele europäische Länder verbindet und diese eine gute Nachbarschaft pflegen.
Eine von Mevissens Aktionen war 2016 das Kunstprojekt „Säulen der Freiheit“ mit 112 Skulpturen von rund 100 Künstlern, aufgestellt in 20 europäischen Ländern. 2018 gründete er den Verein „Art moves Europe“, zu dem der „Europäische Skulpturenweg“ und das Projekt „Grenzsteine der Gesellschaft“ gehören.
Zu allen diesen Projekten hat Mevissen bis heute weit mehr als 30 teils monumentale Skulpturen aus verschiedenen Materialien wie Sandstein, Granit, Basalt und Marmor geschaffen, von denen die meisten als dauerhafte Kunstobjekte im öffentlichen Raum an markanten Plätzen in ganz Europa zu besichtigen sind.
Die neuen Arbeiten werden vom 14. – 28. Juni 2026 in einer Gemeinschaftsausstellung im Schaffrathhaus in 52477 Alsdorf, Theodor-Seipp-Strasse 118 gezeigt.







