Skulptur von Kathryn Vinson.

Wer Blüten mag, wird eine große Freude in Kathryn Vinson‘s Skulpturen finden: Denn umgesetzt in Stein, zerfallen diese Wunderwerke der Natur nicht schon nach kurzer Zeit, wie es mit jeder Blume in der Vase oder auf der Wiese geschieht, sondern sind haltbar, praktisch für alle Zeit.

Kathryn Vinson wuchs im US-Bundesstaat Colorado auf – „umgeben von der Erhabenheit der über 4.000 m hohen Gipfel“, wie sie auf ihrer Webpage schreibt. Sie schloss ein Kunststudium an der UNC (University of Northern Colorado) ab. Nach Elternschaft startete sie „ihre Leidenschaft für die Steinskulptur und den Beginn ihrer Laufbahn als hauptberufliche Bildhauerin“ mit der Teilnahme an einem Bildhauerworkshop.

Skulptur von Kathryn Vinson.

Sie ist fasziniert von der Geschichte der Pflanzen, den Geschichten drumherum, und wie wir Menschen mit unserer Umwelt umgehen.

Für ihre Arbeit benutzt sie „eine Kombination aus Elektro- und Handwerkzeugen, um Material abzutragen, bis die Form elegant wird und ihrer Vision entspricht. So kann der Stein selbst mitbestimmen, was aus ihm werden soll. Ihre Werke sind sowohl Schöpfungen des Materials selbst als auch dessen, was ich in dem Stein möglicherweise verkörpert sehe“, heißt es weiter auf der Webpage.

Skulptur von Kathryn Vinson.Skulptur von Kathryn Vinson.

In der Vergangenheit hat sie sich häufig in Bildhauerkursen engagiert und dort ihr Knowhow weitergegeben. Wir haben sie gebeten, uns ein bisschen Insider-Wissen mitzuteilen, und sie hat geantwortet:

„Wenn man eine Blume formt, hat man einen Innenraum, einen Außenraum und die Kante, an der beide aufeinandertreffen. Es empfiehlt sich, zunächst die grobe Außenform anzudeuten, bevor man den Innenraum aushöhlt, und zu entscheiden, wo diese beiden Bereiche aufeinandertreffen, um die einzelnen Blütenblätter zu formen. Man muss nicht alle Blütenblätter dünn gestalten, sondern lediglich den Blick auf die Ränder der Blütenblätter lenken, indem man die richtigen Kurven und Bewegungen formt, die zu der Blume passen, die man als Vorlage verwendet.“

Skulptur von Kathryn Vinson.Skulptur von Kathryn Vinson.

„Ein weiterer wichtiger Tipp ist, die Richtungslinien und Falten in den Blütenblättern nachzuahmen, die das Auge ebenfalls zu den Rändern führen. Und schließlich sollte man höchstens mit 220er-Schleifpapier schleifen, da die Oberfläche sonst zu glänzend wird und das Licht nicht richtig reflektiert. Sie sollte weich wirken, nicht hart und poliert. Ich gehe oft noch einmal zurück und raue die Stellen, die diese Textur benötigen, mit einer Raspel oder Feile auf.“

„Der beste Ratschlag ist wirklich, die Art, die Sie bearbeiten, genau zu beobachten, damit Sie die grundlegende Geometrie verstehen, wie die einzelnen Teile zusammenpassen, um eine Blume, einen Samen oder eine Wurzel zu bilden. Sobald Sie wissen, wie eine Pflanze aussehen sollte, können Sie erkennen, wie sie in den Raum passt, den Ihr Stein bietet, und genau dann können Sie eine einzigartige Komposition schaffen. Lassen Sie die Maße und Variationen des Steins die Individualität Ihrer Blume bestimmen.“

Sie arbeitet auch mit Holz oder Metall. Sie hat ihr Zuhause in den Stony Ground Studios in Loveland und „findet reichlich Inspiration im Garten und in der wilden Natur Colorados“.

Kathryn Vinson

Fotos: Kathryn Vinson

Hinweis: In dem Buch „Die schöpferische Kraft der Blumen“ beschreibt der US-Biologe David Haskell, wie die Blütenpflanzen für ihren Überlebenskampf die Kooperation mit Insekten erfanden.

Skulptur von Kathryn Vinson.Skulptur von Kathryn Vinson.Skulptur von Kathryn Vinson.Kathryn Vinson.