Eine der fundamentalen Erfahrungen, die man als Kind macht, ist, dass ein Gegenstand auf Druck reagiert. Zum Beispiel ein Tuch auf dem Küchentisch: bei einem Druck von einer Seite wölbt es sich auf und legt sich in Falten. Mit dieser fundamentalen Materialerfahrung spielt der spanische Künstler José Manuel Castro López und er tut das mit einem Augenzwinkern, denn er hat sich Stein für seine bildhauerischen Arbeiten ausgesucht.
Stein ist nämlich etwas anderes als Tuch, und eigentlich kann man ihn nicht in Falten legen oder quetschen.
José Manuel stammt aus A Coruña, das ist der nordwestlichste Zipfel Spaniens. Die Gegend ist steinig und also mag er „vielleicht beim Nachdenken über die Härte der Steine“ zu seiner spielerischen Herangehensweise an das Material gefunden haben, wie er uns auf unsere Frage schreibt.
Dazu gehört auch, scheinbar die Haut des Steins abzuschälen.
Jedenfalls trägt er die heimischen Granite und Quarzite in seinen galizischen Genen, ist er sich sicher: „Ich fühle mich mit Steinen verbunden, besonders mit denen, die mich umgeben; sie haben meine Geburt miterlebt und mich großgezogen.“ Überall hatte und hat er mit ihnen zu tun, „im Garten zuhause, auf dem Weg zur Schule, in den Feldern in der Umgebung, sogar auf den Friedhöfen, wo sie die Erinnerung an die Vorfahren bewahren.“
Er studierte fünf Jahre an der Escola de Canteiros in Pontevedra und alsbald begann er bei seiner Arbeit, die üblichen Darstellungsweisen zu verlassen. „Ich wusste, dass das Leben als Künstler nicht leicht sein würde, aber schließlich fand mich die Kunstwelt“, sinniert er in seiner Mail.
Auf der Webpage der Cardogangalerie mit Sitz in London und Mailand drückt er sein Verhältnis zu seinem Material mystisch aus: „Meine Beziehung zu den Steinen ist nicht nur körperlicher, sondern auch magischer Natur. Sie nehmen Gestalt an, sie gehorchen mir, wir verstehen einander.“
Fotos: José Manuel Castro López









