www.stone-ideas.com

Messen: Großevent für den lokalen Stein

(Juli 2011) Ein internationales Marketing muss vor der eigenen Haustür anfangen. Denn nur von dort können die Ressourcen für die Eroberung der Welt ausgehen. Wie das praktisch aussehen kann, zeigte die „Carrara Marble Week“ („Woche des Marmors in Carrara“) im Juni. Initiator war die dortige Messegesellschaft mit ihrem umtriebigen Chef Giorgio Bianchini.

Anlass für das Kulturereignis war erstens, dass die Messe Carrara Marmotec, ehemals der wichtigste Branchentreff, gegenüber dem Konkurrenten Marmomacc in Verona gravierend an Bedeutung verloren hat. Zweitens hat die Region am Fuß der Apulischen Alpen, ehemals weltweit bedeutendstes Verarbeitungszentrum für Naturstein, gegenüber der Konkurrenz in Asien viel an Marktanteil eingebüßt.

Drittens findet die Messe nur noch alle 2 Jahre statt und tut deshalb gut darin, sich auch in der Zwischenzeit in Erinnerung zu halten.

Giorgio Bianchini ist ein Mann mit ungewöhnlichen Ideen und dem Vermögen, Leute dafür zu begeistern. Auf einen Satz gebracht, lautet sein Konzept hinter der Marble Week: die Marke „Carrara“ und die Messe Marmotec international wieder stark machen, und als ersten Schritt auf diesem Weg die eigenen Leute weiter begeistern.

Dafür holte er vom 8. bis 12. Juni Objekte aus Design, Kunst und Architektur in die Altstadt, ließ Performances und Lichtshows aufführen, auf dass kein Einheimischer und keiner der zahlreichen Besucher übersehen konnte, dass Marmor der Dreh- und Angelpunkt der Gegend war und ist. Viele der gezeigten Objekte waren spektakulär, wie der 14-Tonnen Cadillac aus Arabescato White, hergestellt 1986 von SGF Workshop, der Zero-Würfel des norwegischen Architekturbüros Snøhetta oder Michelangelos David im Riesenformat in Harz von Studi D’arte Michelangelo, Prof. Luciano Massari.

Bemerkenswert war die Ausführung der Idee. Als sozusagen Rote Fäden hatten die Veranstalter 4 Wege durch die Altstadt von Carrara gespannt. Dort sollte in 4 „Sprachen“, so der Titel, über Marmor informiert und der Marmor erlebbar gemacht werden.

Eine dieser Sprachen widmete sich dem Thema „Materie“. Hier waren 11 Blöcke über die Straßen verteilt, ergänzt zum Beispiel um Fotos von Arbeitern im Steinbruch. Das sollte veranschaulichen, wie aus dem rohen Fels ein Naturstein für verschiedene Verwendungen wird.

Eine andere Sprache hatte „Architektur/Design“ zum Thema. Große Installationen gab es hier, unter anderem eine Dokumentation des im Bau befindlichen One World Trade Center und eben den Zero-Würfel, den wir schon vorgestellt hatten. Der war nachts beleuchtet, was den Weg der Menschheit durch Architektur und Licht symbolisieren sollte.

In der Sprache der „Künste“ wurden Marmorarbeiten von 6 Studios gezeigt, darunter Werke von Francesco Cremoni. Die Firma Elle Arte, spezialisiert auf die Zusammenarbeit mit Bildhauern, präsentierte zwei rechtwinklige Marmorskulpturen von Jean Gabriel Coignet und die „Maske“ in rotem Travertin von Robert Courtright.

„Kommunikation“ war die letzte Sprache betitelt. Auch hier ging es um Design, also darum, wie das Material durch die Gestaltung zum Sprechen gebracht und in Szene gesetzt wird.

Über diese großen Stücke hinaus gab es an vielen Orten kleinere Präsentationen und Installationen, so dass auch der Entdeckerlust der Besucher Rechnung getragen war. Sogar an die Kinder hatten die Veranstalter gedacht und für sie ein Theater eingerichtet. Dort wurde das Verhältnis zwischen Mensch, Natur und Stadt behandelt. Eine Gruppe von 40 internationalen Architekten war eingeladen worden und besuchte Firmen und Steinbrüche.

Natürlich braucht solch ein Großevent auch eine intellektuelle Komponente. Das war hier ein Round-Table-Gespräch. Die eingeladenen Experten äußerten sich begeistert über den Carrara-Marmor, wie man es von ihnen erwarten durfte.

Alle Veranstaltungen waren für die Besucher kostenlos zugänglich.

Der Erfolg war so groß, dass die Marble Week um 2 Wochen verlängert wurde und bis zum 26. Juni dauerte.

Unterstützer waren Stellen der Provinz Toskana, der Region Massa-Carrara und die Stadt Carrara selbst. Als Sponsoren agierten die Carrara Savings Bank, die auch über ihre Stiftung fördernd wirkte, und die Lichtfirma Martinelli Luce. Die lokale Kunstakademie stellte Räumlichkeiten zur Verfügung.

Nennen wir noch die Steinfirmen, die als Partner agierten: Franchi Umberto Marmi, GEMEG, Il Fiorino, MT&S, Italmarble Pocai, Savema, Società Apuana Marmi, Up Group.

Carrara Marble Week

Fotos: CarraraFiere