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Architektur: Stalinismus in Stein

(August 2011) Was in Stein gemeißelt wird, erhebt den Anspruch von Wichtigkeit und Dauerhaftigkeit. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Regierungen sich für ihre Denkmäler gerne des Materials bedienen. Ein Architekturführer durch die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang zeigt Beispiele von dort.

Etwa den Soldaten vor der Wand aus rotem Granit, bei der der Stein so rot ist, dass man unweigerlich an eine Bearbeitung mit Farbvertiefern denkt. Die Wand ist als wehende Fahne geformt und trägt die Insignien der kommunistischen Einheitspartei Nordkoreas (Hammer: Arbeiter, Sichel: Bauern, Schreibpinsel: Wissenschaftler). Man kennt die Symbolik – schließlich ist Nordkorea ein Land, in dem der Steinzeit-Stalinismus noch am Leben ist.

Entsprechend katastrophal ist die Lage der Bevölkerung und entsprechend demoralisierend ist die Architektur in Pjöngjang, wie sie das Buch ausführlich dokumentiert. „Ambitionierte Gesellschaftsbauten, gesichtslose Wohntürme und eine monumentale Leere charakterisieren eine drei Millionen Einwohner zählende Stadt, die im Koreakrieg vollständig zerstört“ worden war, heißt es im Pressetext.

Der Architekturführer gliedert sich in 2 Teile: Band 1 präsentiert mit über 300 Abbildungen zahlreiche Bauten und gibt Einblicke in Stadtstruktur – die Fotos und Texte sind die Zusammenstellung eines nordkoreanischen Verlags. Band 2 stellt dieses Material mit bissigen Bemerkungen in einen architekturtheoretischen und baugeschichtlichen Kontext.

Pjöngyang Architekturführer“, Philipp Meuser (Hg.), mit Beiträgen von Ahn Chang-mo und Christian Posthofen, 368 S., 2 Bände im Schuber, Verlag: DOM publishers, 38 €, ISBN: 978-3-86922-126-7.

Einen Überblick über nordkoreanische Regierungsdenkmäler gibt eine Webpage.

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