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Messen: tief greifende Veränderungen voraus

(August 2011) In diesem Jahr hatte die Stone+tec in Nürnberg 699 Aussteller, also 10% weniger als 2009 (770). Zwei Jahre vorher waren es noch 963 gewesen und wiederum 2 Jahre vorher 1058.

Bemerkenswert ist der diesjährige Rückgang besonders deshalb, weil er während des aktuellen Booms der deutschen Wirtschaft geschah. Manche der Firmen, die nicht vom 22. bis 25. Juni in Nürnberg ausstellten, hatten sich aber auf der Architekturmesse „Bau“ im Januar in München gezeigt.

Frage: Könnte der Rückgang bei den Ausstellerzahlen der Stone+tec in Indiz dafür sein, dass sich etwas in der Szene tut? Ähnliche Probleme hatten nämlich auch die Natural Stone Show in Großbritannien, die Piedra in Spanien oder die Stonetech in Beijing/Shanghai, um nur einige zu nennen.

Zugegeben: die Lage ist bei jeder von ihnen speziell. Aber analysieren wir einmal die Szene:

1) Das globale Geschäft haben die Marmomacc in Verona und die Stone Fair in Xiamen unter sich aufgeteilt. Wobei man gespannt sein darf, wie sich die Konkurrenz dieser beiden Großen entwickelt.

2) Bleiben als nächste Ebene die Messen der großen Erzeugerländer: das sind die Vitória Stone Fair für Brasilien, die Marble in Izmir für die Türkei und die Stona in Bangalore für Indien. Die Piedra in Spanien ist aufgrund der aktuellen Baukrise dort quasi in der Versenkung verschwunden. Festzustellen war bei diesen Messen in der jüngsten Vergangenheit, dass dort mehr und mehr chinesische Händler Blöcke einkaufen. Dieses Geschäft könnte auch in Xiamen abgewickelt werden. Vitória ist zudem der wichtigste Handelsplatz für Lateinamerika, Izmir könnte dieselbe Rolle für den Nahen und Mittleren Osten und die muslimischen Staaten der ehemaligen Sowjetunion einnehmen.

3) Was die nationalen Messen angeht, scheinen einige ihr Einzugsbiet ausweiten zu wollen. Die Stone+tec in Nürnberg könnte zentraler Marktplatz für Mittel- und Nordeuropa werden, die Kamien-Stone in Poznan für Osteuropa bis nach Russland.

4) Andere Messen verfolgen neue Schwerpunktsetzungen: die Marmotec in Carrara widmet sich Design und Gestaltung mit Stein, die Stonetech in Beijing/Shanghai ebenfalls.

Zeigte sich an der aktuellen Stone+tec noch etwas? Ja, und zwar sehr deutlich: lediglich bei den Chinesen stieg die Zahl der Aussteller an, und zwar von 84 auf 118! Das konnte man beim Messerundgang nicht wahrnehmen, weil chinesische Stände im Ausland meist nur winzig sind und weil die Verkäufer diesmal die Besucher nicht mehr regelrecht überfielen.

Hervorzuheben ist bei dieser Zahl besonders, dass die chinesischen Anbieter damit erstmals die italienischen (117) überrundeten, zumindest zahlenmäßig. Bisher war der deutsche Markt sowohl bei Maschinen als auch bei Steinen von den Italienern dominiert.

Unsere Fotos zeigen einige außergewöhnliche Standpräsentationen und Designideen. Den Innovationspreis Stone+more stellen wir in der kommenden Ausgabe in der 2. Augusthälfte vor.

Steinmarkt in Deutschland

In Deutschland stieg der Verbrauch an Fertigprodukten aus Stein im vergangenen Jahr um 5,9% nach Wert und um 8,6% nach Tonnage, teilte der Deutsche Naturwerksteinverband (DNV) mit. Die Einfuhren ereichten positive Zahlen (Wert: +10,2% auf 322 Mill. €, Tonnage: +7,6% auf 796.000 t), die Ausfuhren gingen zurück (Wert: -12,4% auf 78 Mill. €, Tonnage: -4,3% auf 104.000 t). Der Verband sieht gerade bei den Ausfuhren ein erhebliches Wachstumspotenzial. Die Inlandsproduktion an Fertigfabrikaten fiel nach Wert (-3,1% auf 310 Mill. €), stieg aber nach Tonnage (+8,0% auf 1,22 Mill. t).

Auch der Verband der Maschinenbauer (VDMA) legte Zahlen vor: Hier nimmt der heimische Markt die meisten Produkte ab; nur rund 60% gehen in den Export, was für deutsche Verhältnisse wenig ist. Steigende Nachfrage erwartet der Verband aus Russland und den ehemaligen sowjetischen Republiken. Australien hat sich „in den letzten Jahren zu einem zwar kleinen, aber erfolgreichen Absatzmarkt für deutsche Maschinen entwickelt“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Vor allem bei Maschinen für die Herstellung von Massenware oder Halbfertigprodukten sieht sich der Verband ausländischer Konkurrenz gegenüber. Deutsche Technologien wären „vor allem dann gefragt, wenn es um effiziente Produktion, komplette Anlagen oder komplette Fabriken geht“, schreibt der Verband.