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Stone Stories: Sozialistische Monumentale

(November 2011) Gewaltig groß ist er, arg finster schaut er drein und während der letzten Jahrzehnte hatte er nasse Füße. Derzeit wird in Chemnitz der monumentale Portraitkopf von Karl Marx saniert. Viele der Platten aus ukrainischem Granit auf dem Boden und am Sockel waren zerbrochen oder unansehnlich geworden, auch hatte der Unterbau Staunässe.

Vor 40 Jahren, am 9. Oktober 1971, stellte die DDR-Führung das Monument in ihrer „sozialistischen Musterstadt“ Karl-Marx-Stadt, dem ehemaligen Chemnitz, auf. Den Bronzekopf mit 7,10 m Höhe auf einem 4,50 hohen Sockel und einem Gesamtgewicht von 40 t hatte der sowjetische Bildhauer Lew Kerbel geschaffen. Sockel und Bodenplatte wurden mit Korninskij-Granit verkleidet. Der Stein ist nach dem Abbaugebiet im Süden der Ukraine benannt.

Das Denkmal befindet sich in der ehemaligen Karl-Marx-Allee (heute: Brückenstraße), vor dem damaligen Sitz der Partei mit einer monumentalen Fassadenplastik, die den Slogan „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ auf Russisch, Deutsch, Englisch und Französisch trägt. Im Volksmund trug es den Namen „Nischel“, was Kopf oder Schädel bedeutet.

Obwohl nach dem Fall der Mauer die Stadt sich ihren alten Namen wieder zulegte und das Monument unübersehbar ein Beispiel für die sozialistische Kunst ist, gab es nie ernsthafte Bestrebungen, es wegzureißen. Die dringend nötige Sanierung scheiterte lange an den Kosten. Zum Jubiläum entschloss sich die Stadt nun, 55.000 € in die Sanierung zu investieren. 15.000 € kommen aus Fördermitteln vom Land Sachsen dazu plus zweckgebundene 25.000 € brachte ein Werbeplakat der Firma Ikea an jener Stelle ein. Die Sanierungen begannen im Oktober 2011 und sollen bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Der „Nischel“ ist über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, zählt er doch zu den größten derartigen Monumenten weltweit. Zu DDR-Zeiten wurde über seinen ernsten Gesichtsausdruck viel gespottet: Es hieß, dass der alte Marx wohl deshalb so vergnatzt dreinschaue, weil er nicht in den Intershop-Laden auf der anderen Straßenseite gehen könne. Man erinnert sich: in den Intershops der DDR gab es Westwaren gegen Devisen zu kaufen.