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Architektur: Treffpunkte für die Bürger (2)

(Januar 2012) Plätze mit Bodenplatten in einer einzigen Form und in einer einzigen Größe wirken genauso langweilig wie eine Asphaltdecke. Dabei bietet die Geometrie viele Möglichkeiten, zum Beispiel das Trapez. Damit ist seit neuestem der Knud Knudsens Plass (Knud Knudsens Platz) in der norwegischen Hauptstadt Oslo belegt – sehr lebendig wirkt das Ganze, vielleicht weil das Gewirr tatsächlich die Straßenverläufe rundherum widerspiegelt, wie die Planer von Grindaker Landskapsarkitekter schreiben.

Ehemals war der Platz ein verlorenes Dreieck an der spitzen Mündung zweier Straßen, zugedeckt mit Asphalt und vollgestellt mit Taxis. Die Architekten haben nun die Autos an den Straßenrand verlegt und dem Platz durch die Pflasterung sowie durch Grünpflanzungen neues Leben gegeben. Mehrere Linien aus hellem Stein laufen auf einen angrenzenden Park zu, der durch das Entfernen von Hecken optisch geöffnet wurde.

Dunkler Basalt und heller Granit kamen zum Einsatz. Besonders bei Regenwetter kontrastieren sie miteinander. Die Steine lieferte die Firma Jogra. Die Verlegearbeiten übernahm Steen & Lund.

Namensgeber für den Platz ist der Linguist Knud Knudsen, der für die moderne norwegische Sprache eine bedeutende Rolle spielte.

Grindaker Landskapsarkitekter

Jogra

Steen & Lund

Etwa 150 m von ihrem Ufer im Londoner Stadtteil Westminster könnte die Themse sich selber zuschauen, wie sie ihren Weg durch die Stadt nimmt. Denn dort gibt es ein Modell des Flusses mit all seinen Windungen und Schleifen, ausgeführt in schwarzem Granit. Die Anlage mit dem Namen Grosvenor Waterside liegt neben dem ehemaligen innerstädtischen Grosvenor Kanal, dessen Umgebung im Lauf der Zeit heruntergekommen war. Heute ist das ungefähr dreieckige Gelände von Wohngebäuden mit teuren Apartments umstanden.

Gestaltet hat die Grosvenor Waterside der deutschstämmige Künstler und Steinmetz Ekkehard Altenburger. Wasser sollte das zentrale Thema sein. Dafür schuf Altenburger das Modell des Flusslaufs und legte an seinem Ende ein großes „Spiegelbecken“ an, in dem sich die umgebenden Gebäude abbilden. Besonderheit ist, dass das Wasser permanent im Umlauf gehalten wird und so viele Erscheinungsformen des Phänomens Fluss darstellt.

Ein unterirdischer Tank fasst rund 40.000 l und speist die Anlage. Er wird gefüllt mit Regenwasser von den umgebenden Dächern. Über ihm liegt eine zweistöckige Tiefgarage, und über der wiederum befindet sich das „Spiegelbecken“.

Über Stufen lässt Altenburger das Wasser perlen. Eine ist lang gestreckt und bildet einen Rand des Beckens, eine andere ist rund und fungiert als Ablauf inmitten der Wasserfläche. Etwa 12 mm ist der Flüssigkeitsfilm hoch, der permanent über die steinernen Kanten mit insgesamt rund 55 m Länge rieselt – da werden allerhand Kubikmeter permanent umgepumpt.

Die Steinarbeiten mussten mit äußerster Präzision ausgeführt werden. Die Oberflächen des Steins sind poliert oder sandgestrahlt. Die Kanten, über die das Wasser fließt, sind von Hand abgerundet und poliert. Verwendet wurde der Granit Angola Black. Ausgeführt wurden die Steinarbeiten von der Firma Szerelmey „unter der Leitung des großartigen John Guest“, wie Altenburger schreibt. Unterstützung bei der Planung kam von Sheppard Robson Architects und St. James Homes.

Ekkehard Altenburger

Szerelmey

Fotos: Ekkehard Altenburger, Lewis Ryan

Nochmal London: mit dem Großen Brand erlebte die Stadt im September 1666 eine Katastrophe biblischen Ausmaßes. Es wurden die Wohnungen von 70.000 bis 80.000 Einwohnern zerstört und auch die damalige St. Paul’s Cathedral ging unter. Nach dem Abklingen der Hitze rissen die Bürger die Reste des Gotteshauses aus dem Mittelalter nieder und bauten es neu. Eine Spur der Old St. Paul’s Cathedral wurde jetzt auf dem Platz an der Südseite des heutigen Gotteshauses angelegt: dort sind Teile der alten Fundamentlinien als Begrenzungen einer kleinen Rasenfläche wiederhergestellt worden.

Die Arbeiten wurden von der Firma Stonewest ausgeführt. Zum Einsatz kamen verschiedene Sorten Purbeck Kalkstein, desselben Materials, wie es auch in den Resten des alten Bauwerks rund einen Meter tiefer im Boden steckt. Besonderheit sind die Inlays in den Steinen rund um den Rasen. Am oberen Ende der Grünfläche ist der Gesamtplan sowohl des neuen als auch des alten Gotteshauses im Bodenbelag dargestellt.

Architekt war Purcell Miller Tritton LLP.

Stonewest

Sandstein bestimmte über Jahrhunderte die Geschichte des Ballast Point, eines Landzipfels in der Zufahrt zum Hafen von Sydney. Dort hielten die Schiffe bei ihrer Rückfahrt von Australien nach Europa, um Sandstein als Ballast zuzuladen. Später hatten am Fuß der Steinbruchhänge Ölkonzerne ihre Tanks platziert. Nun liegt dort der Ballast Point Park. Seine Gestaltung will die Etappen der Nutzung wach halten und lädt gleichzeitig die Bürger ein, den großartigen Blick auf den Hafen und auf die berühmte Harbour Bridge zu genießen.

In den neuen Terrassen des Parks steckt im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte. Denn ihre Stützmauern sind Gabionen, die mit Abbruchmaterial aus den alten Industriegebäuden gefüllt sind. Dabei kam nicht nur Stein und Beton in die Drahtkörbe. Auch Metallstücke wurden eingefüllt – das ist insofern erwähnenswert, als manche von ihnen eine glänzende Oberfläche haben, so dass bei untergehender Sonne in den Mauern für kurze Zeit Lichtpunkte aufleuchten.

Besonderheit der Gabionen ist auch, dass ihre Ecken rund und ihre Vorderseiten als schiefe Ebenen ausgeführt sind. Dazu mussten die Architekten (McGregor Coxall) für die Drahtmatten 3D-Modelle entwerfen, nach denen die Körbe dann vor Ort gebogen wurden. Da Salzwasser in der Luft liegt, sind die Drahtkörbe durch eine Aluminium-Zink-Legierung geschützt.

Weitere Höhepunkte der Gestaltung sind der Tank 101 oder die runden Rasenflächen, die an die Fundamente der einstigen Tanklager erinnern. Eine Attraktion ist auch die Arbeit der Künstlerin Robyn Backen: mit dem Titel „Balance and Ballast“ (Gleichgewicht und Ballast).

Leider konnten wir keine Fotos bekommen. Bilder findet man auf einer Webpage.