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Architektur: Trapeze und Rechtecke vor dem Glas

(Januar 2012) Bei dieser Fassadengestaltung gibt die Geometrie dem Gebäude ein wiedererkennbares Gesicht: einen unregelmäßigen Wechsel an Trapezen und Rechtecken haben die Architekten vor die gläserne Außenhaut des Amazon Court in der Prager Innenstadt gehängt. Damit nicht genug: die einzelnen Flächen aus Naturstein sind in sich auch noch diagonal in einen polierten und einen geflammten Teil unterteilt.

Alles in allem ergibt sich so in der Senkrechten ein kaum überschaubares Muster aus geraden und schrägen Linien, wobei der Wechsel zwischen Glasflächen und Stein sowie zwischen den unterschiedlichen Steinoberflächen noch für zusätzliche Bewegung im Fassadenbild sorgt.

Die Anregung dazu fanden die Planer vom dänischen Büro Schmidt Hammer Lassen Architects in Prag selbst, genauer auf dem Burgberg Hradschin. Die Fassade des Palais’ Schwarzenberg dort war um 1550 in so genannter Sgraffito-Technik ausgeführt worden: Sie bedient sich eines Putzes mit mehreren Schichten hier in Schwarz und Weiß, aus dem der Handwerker die gewünschten Strukturen herauskratzt.

Beim Palais wollten die Bauherren damals den 3D-Eindruck einer Mauer aus rechtwinkligen Natursteinen erreichen. Beim Amazon Court hingegen ist der Stein echt, nämlich der Granit Star White, allerdings von seiner Funktion her auch nur Verkleidung.

Das Gebäude ist Teil des neuen Komplexes River City Prague, der etwas flussabwärts von der Karlsbrücke direkt am Ufer der Moldau liegt. Angesiedelt sind dort vor allem Büros. Um das Ensemble aber auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten belebt zu halten, gibt es auch Geschäfte, Restaurants, Hotels und Wohnungen.

Eine besondere Rolle in diesem Konzept spielt das Atrium im Amazon Court, das auch für Passanten 24 Stunden offen steht. Hier setzt sich die Fassadegestaltung fort: die Glasflächen über 7 Stockwerke sind mit Trapezen dekoriert, dies aber in Textil und in kräftigen Farben. Die dänische Künstlerin Anne Marie Plough wollte damit dem Atrium einen Anklang an den tropischen Regenwald geben.

Der Boden ist in einem Teil mit Marmorplatten belegt, in dem anderen trägt er ein kleinteiliges Natursteinpflaster, wie es in vielen Gassen in der Altstadt üblich ist.

Besonderen Wert legten die Architekten auf die Energieaspekte des Gebäudes. Unter anderem wurde für die Fassade ein Glas verwendet, das viel Sonnenlicht in die Räume eindringen lässt, jedoch nur wenig Wärmestrahlung. Mit weiteren Maßnahmen soll der Amazon Court 50% weniger Energie als ein Standard-Bürohaus verbrauchen und so in den Betriebskosten um 65% günstiger sein. Bauherr war die Immobilienfirma Europolis.

Schmidt Hammer Lassen Architects

River City Prague

Europolis

Photos/Drafts: Adam Mørk / Schmidt Hammer Lassen Architects