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Stone Stories: Barockelemente aus Sandstein und Putz im Witterungstest

(Juli 2012) Ein Stück Musterfassade des künftigen Berliner Humboldtforums ist in der Innenstadt gegenüber dem Dom zu sehen. Es trägt Schmuckelemente aus Sandstein des ehemaligen Stadtschlosses und unterschiedliche Putze. Damit will der Bauherr Erfahrungen mit den Materialen sammeln. Getestet wird auch die Fensterkonstruktion.

Drei der Fassaden des künftigen Humboldtforums sollen einmal das Original des Stadtschlosses der Hohenzollern kopieren. An ihnen gab es reichlich barocken Figurenschmuck aus Sandstein.

„Wir haben sächsischen und schlesischen Sandstein“, zitiert die Berliner Zeitung Karl-Heinrich Mohr, der bei der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum zuständig für den Hochbau ist. Der Stein aus Sachsen sei etwas weicher als der aus Schlesien. Für den Sockel werde das härtere Material gebraucht.

Erfahrung will Mohr laut Zeitung außerdem damit sammeln, wo Abdeckbleche für den Schutz vor Regenwasser notwendig sind und wie groß die Fugen zwischen den Ornamenten sein dürfen.

Für die Schmuckelemente zeichnet die Schlossbauhütte in Berlin-Spandau verantwortlich.

Dort sind seit einer Weile Steinmetzen dabei, erhalten gebliebene Originalstücke abzuformen oder anhand von Plänen und Fotos ganz neu zu erstellen.

Die Musterfassade lässt auch die gewaltige Masse erahnen, die der fertig gestellte Baukörper einmal haben wird. Denn sie besteht nur aus den beiden obersten Geschossen. Oben trägt sie den Hauptsims und eine Balustrade aus Sandstein. Später wird das Gebäude insgesamt 4 Stockwerke haben.

Zeitgleich mit der Aufstellung der Musterfassade begannen im Juni die Gründungsarbeiten in dem problematischen Erdreich. Im kommenden Jahr soll der Grundstein gelegt werden. 2014 sollen die Hochbauarbeiten beginnen. In einem ersten Schritt müssen nun 200 bis 300 alte Eichenpfähle aus dem Boden gezogen werden.

Deren Geschichte wollen wir hier nicht verschweigen: Die Pfähle stammen vom Münzturm aus dem Jahr 1701, der auf eine Höhe von mehr als 100 m aufgestockt wurde, um dem damaligen Schloss ein Bauteil zum Staunen zu geben.

Allerdings hatte man die Rechnung ohne den märkischen Sand gemacht: Die Fundamente bekamen keinen richtigen Halt, und 1704 musste der Turm nach vielen teuren Rettungsversuchen rückgebaut werden. 1706 fiel er ganz zusammen. Der Baumeister, Andreas Schlüter, verlor schmachvoll seinen Job als Schlossbaumeister. „Der Vorfall ist für uns auch heute noch Warnung vor dem schlechten Baugrund“, zitiert die Berliner Zeitung den Geschäftsführer der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, die als Bauherr fungiert.

Mit dem Humboldtforum soll sich in der Berliner Innenstadt ein Ort für den Dialog der Weltkulturen entwickeln. Dafür werden in dem Neubau unter anderem die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einziehen, die bislang etwas abgelegen in den Museen in Berlin-Dahlem untergebracht waren. Sie zeigen Ausstellungsstücke zum Beispiel über die Azteken genauso wie über die Inselreiche im Pazifik. Im Humboldtforum sollen sie in Kontakt treten mit den Sammlungen auf der Museumsinsel. Das sind die Zeugnisse der alten europäischen Kulturen und ihrer Vorläufer, also der antiken Römer, Griechen und der Babylonier.

Vis-à-vis vom Musterportal und nicht zu übersehen steht die Humboldt-Box. In ihr wird der Neubau und die Schlossgeschichte detailliert dargestellt. Im obersten Geschoss gibt es eine Aussichtsterrasse.

Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum

Humboldt-Box

Inzwischen ist auch der Wettbewerb für die Innengestaltung des Humboldt-Forums entschieden worden. Den 1. Preis gewannen Holzer Kobler (Zürich) und Gourdin & Müller (Leipzig). Naturstein soll auf den Böden in den öffentlichen Bereichen des Erdgeschosses verlegt werden. Unterschiedliche Materialien werden die Funktionen der Räume erkennbar machen.

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