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Märkte: Russland als Absatzmarkt im Kommen, China ist Supermacht

(Juli 2012) Zwei Kernaussagen lassen sich aus dem aktuellen Statistik-Jahrbuch der Internazionale Marmi e Macchine (IMM) Carrara herauslesen: erstens wird Russland zu einem der wichtigen Märkte für die kommenden Jahre, und zweitens hat die Volksrepublik China in allen wichtigen Bereichen der Steinbranche einen der ersten Plätze erreicht. Auf der Messe Marmotech in Carrara (23.-26. Juni) wurde die diesjährige Ausgabe des Statistik-Jahrbuchs „Stone Sector 2011/2012. Annual Report and Prospects for the International Trade“ vorgestellt. Das Werk ist wie üblich auf Englisch und Italienisch verfasst.

Apropos Russland: 2011 importierte es Endprodukte aus Naturstein im Wert von 161 Millionen €. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 22%. Für die Zukunft erwartet die Autorin des Werks, Dr. Manuela Gussoni, eine anhaltende Steigerung und sieht als einen der Gründe dafür den Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation WTO: „Russland hat zugestimmt, von Mitte 2012 an seine Importzölle von 10% auf 7,8% zu senken… und weitere Absenkungen werden schrittweise folgen.“

Das gibt uns auch gleich eine schöne Überleitung zu China. Denn von den oben genannten russischen Importen in Höhe von 161 Millionen € entfiel fast die Hälfte (43%) auf China als Lieferant.

Wie die Zahlen belegen, ist China inzwischen in der Steinbranche zu einer Supermacht geworden: im Jahr 2010 gingen nach Wert 33% des Weltmarktes durch die Hände chinesischer Produzenten, Fabrikanten oder Händler. Das war gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um +8,3% – dies trotz der wirtschaftlichen Flaute etwa in den USA.

Zum Vergleich: Italien erreichte 2010 am Weltmarkt einen Anteil von 14,4% (nach Wert), die Türkei von 11%. Im Falle von Italien war das ein Rückgang von 1% gegenüber dem Vorjahr, für die Türkei ein Minus um 4,5%.

Im Einzelnen stellt sich für 2011 die Bedeutung Chinas laut Statistik-Jahrbuch folgendermaßen dar:

* Granit-Exporte: China lag mit 2,3 Milliarden € an erster Stelle. Erst mit deutlichem Abstand folgten Brasilien (640 Millionen €) und Italien (570 Millionen €);

* Granit-Importe: hier lag China zusammen mit Japan hinter den USA an zweiter Stelle;

* Marmor-Exporte: China erreichte mit 1,024 Milliarden € den zweiten Platz dicht hinter der Türkei (1,079 Milliarden €). Italien verzeichnete 892 Millionen €;

* Marmor-Importe: hier lag China mit 1,2 Milliarden € an erster Stelle und erreichte gegenüber 2009 eine Steigerung um 92%. An zweiter Stelle lagen die USA mit 652 Millionen €.

Anzumerken ist bei diesen Betrachtungen generell, dass China vor allem Rohblöcke einkauft. Langfristig droht seinen großen Lieferanten deshalb ein Verlust an Industriebestand (Deindustrialisierung) und ein Rückfall auf den Status von Entwicklungsländern.

Dass China vor allem Rohmaterial kauft, zeigt aber auch, dass die westliche Natursteinindustrie es bisher nicht geschafft hat, ihre in Sachen Qualität und Design überlegenen Endprodukte dem Verbraucher dort nahe zu bringen. Zur Erinnerung: die Autoindustrie ist höchst erfolgreich in China aktiv, etliche Luxusmarken sind es ebenfalls, und auch die Keramikindustrie spielt dort mit. Leicht ist der Zugang zum Markt allerdings nicht, da auf Endprodukte Importzölle von 24% erhoben werden.

Zurück zum Jahrbuch. Interessant ist, wie die Autorin die chinesische Übermacht erklärt. „Vielleicht konnte und kann China besser als andere Länder die Chancen der globalen Märkte nutzen“, mutmaßt sie. Das Land hätte „es fertiggebracht, ein weltweites System von eng aufeinander abgestimmten Aktivitäten aufzubauen“.

Gemeint ist damit, dass die chinesischen Exportfirmen – häufig bedeutend größer als die Mittelständler im Westen – in den Zielländern geschickte Investitionen getätigt haben, um zum Beispiel Vertriebsnetze aufzubauen. Zusammen mit günstigen Preisen konnten sie so die Märkte im niedrigen Preissegment regelrecht überschwemmen.

Anmerkung: derzeit scheint diese Investitionstätigkeit in eine neue Phase einzutreten, indem chinesische Firmen weltweit Steinbrüche kaufen. Das zumindest sagen Gerüchte.

Noch ein Wort zum Statistik-Jahrbuch: Indonesien wird als kommender Player sowohl als Absatzmarkt als auch als Produzent herausgestellt. Das Land würde derzeit große Investitionen in seine Steinbranche tätigen, heißt es.

Und eine letzte Anmerkung zu Russland und China: Während beide Länder zu Zeiten des Kommunismus nicht gut aufeinander zu sprechen waren, hat sich inzwischen eine lebhafte Kooperation entwickelt. Beide sind Mitglied in der Shanghai Cooperation Organisation (SCO), einer Organisation asiatischer Staaten. Im aktuellen Syrien-Konflikt und auch bezüglich des Irans haben sie ähnliche Positionen. Derzeit wird die 2. Gaspipeline von Sibirien nach China gebaut.

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