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Architektur: Schluss mit der Wegwerfmentalität beim Bauen

Von Robert Mächtel

(Juli 2012) Das 4. Rorschacher Stein(Fach)Gespräch, das am 21. und 22. Juni im Schweizer Rorschach stattfand, widmete sich einem aktuellen Thema: „Eine Stufe höher: Nachhaltige Architektur mit Naturstein“ war die Veranstaltung überschrieben, zu der sich Architekten, Planer und Natursteinverarbeiter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in einem historischen Schlosshotel über dem Bodensee versammelten. Auch die sechs Referenten kamen aus den drei Ländern und unterstrichen auf diese Weise den globalen Anspruch, der mit den Forderungen nach einer ökologisch orientierten Architektur zwangsläufig verbunden ist.

Werner Binotto, Architekt und Kantonsbaumeister aus St. Gallen, betonte, dass Nachhaltigkeit sich nicht primär über die eingesetzten Baustoffe realisieren lässt, sondern spezifische Denk- und Planungsstrukturen voraussetzt. Die derzeitige Diskussion um Energieeffizienz und deren Realisierung durch ausgeklügelte Technik oder durch spezifische Baustoffe allein greift laut Binotto zu kurz. Gefordert sei die Rückbesinnung auf Nachhaltigkeit im traditionellen Sinn und die Abkehr von der Wegwerfmentalität in Architektur. Statt Investoren sollten nach Binotto wieder Bauherren die Prämissen vorgeben.

Auch der österreichische Architekt Dietmar Eberle glaubt nicht, dass sich energieeffizientes Bauen ausschließlich über Technik (zumal mit meist geringer Lebensdauer) verwirklichen lässt. Primär gehe es um die Reduzierung des Energiebedarfs und des CO2 Ausstoßes auf effiziente Weise. Neben dem Komfort sei es die Wertschätzung durch die Öffentlichkeit, welche die Lebensdauer eines Bauwerkes bestimme. Geltende Vorschriften und Normen erwiesen sich dabei nicht selten als Hinderungsgrund, kritisierte Eberle die gängige Praxis.

Nachhaltigkeit in Daten und Fakten präsentierte der Geschäftsführer des Deutschen Naturwerkstein-Verbandes, Reiner Krug, anhand einer Vergleichsstudie zur Energieeffizienz der Fassadenbaustoffe Glas und Naturwerkstein. Über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes fällt demnach die Ökobilanz beim Einsatz von Stein als reinem Naturstoff deutlich günstiger aus als die für Glas.

Hans Peters, Geschäftsführer des Instituts Bauen und Umwelt in Königswinter, referierte über Umweltproduktdeklarationen (EPD) als verbindliche Voraussetzungen für nachhaltiges Bauen. Damit ausgezeichnete Bauprodukte sollen die Planungssicherheit beim Streben nach umweltverträglichem und ökonomischem Bauen erhöhen.

Über das sanfte Bauen mit Trockenmauern informierte die Landschaftsarchitektin Prof. Ingrid Schegk von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Anhand zahlreicher historischer und aktueller Mauern aus aller Welt demonstrierte sie, wie sich funktionale und ästhetische Ansprüche beim naturnahen Bauen mit bruchrauen oder mit geringem Energieaufwand bearbeiteten Steinen vereinbaren lassen.

Im abschließenden Referat des zweitägigen Fachgesprächs erläuterte Guido Wick, Geschäftsführer der Sinum AG in St. Gallen, wie sich Steinbrüche umweltfreundlich und wirtschaftlich betreiben lassen. Eine fundierte Analyse des Ist-Zustandes ist dafür unumgänglich. Auf deren Basis lassen sich technische organisatorische Maßnahmen für weitere Verbesserungen ableiten. Die Analyse des Sandsteinbruchs der Firma Bärlocher diente Wick dabei als aussagekräftiges Referenzobjekt.

Der Autor betreibt ein Medienbüro für Naturstein in Süddeutschland und gab früher die Zeitschrift Stoneplus heraus. Bei den diesjährigen Fachgesprächen fungierte er als Moderator (Mail).

Rorschacher Stein(Fach)Gespräch 2012

Die Studie des Deutschen Natursteinverbands zu den Ökobilanzen von Glasfassaden im Vergleich zu Natursteinfassaden kann online gelesen oder gegen eine Schutzgebühr bestellt werden.

Fotos: Robert Mächtel