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Märkte: Recycling ist der wichtigste Aspekt

(August 2012) Nachhaltigkeit wird immer stärker zu einem Attribut, das Marketingmanager ihren Produkten für den Weg zum Erfolg anheften. Das haben die jüngsten Sport-Großereignisse in Europa gerade wieder mal gezeigt: Zur Fußball-Europameisterschaft kam die Firma Nike mit der Pressemitteilung heraus, dass ihre Shorts für die Spieler „zu 100 Prozent“ und die Shirts „zu mindestens 96 Prozent“ aus recycltem Material hergestellt seien. „Jedes Trikotset besteht aus durchschnittlich 13 recyclten Plastikflaschen“, hieß es drollig.

Und Adidas teilte im Vorfeld der Olympischen Spiele in London mit, dass die Shirts und Schuhe der etwa 80.000 freiwilligen Helfer ebenfalls größtenteils aus recyclten Materialien bestehen.

Jede Banalität wird herausgestellt: Zu einer rund 150 m langen Steinbank in der Nähe des Olympiastadions in London hieß es von Seiten der Veranstalter, dass dafür ein Granit aus einem alten Hafendock wiederverwendet worden war.

Wir erkennen zweierlei: Zum einen geht es bei solchem Marketing darum, das Ereignis beziehungsweise Produkt sympathisch, nämlich umweltfreundlich erscheinen zu lassen.

Zum anderen zeigen die Meldungen, dass Recycling aktuell der wichtigste Aspekt im weiten Feld der Nachhaltigkeit ist. Das liegt einfach daran, dass der Verbraucher sich am einfachsten vorstellen kann, was damit gemeint ist. Energiebilanzen oder so genannte CO2-Fußabdrücke sind etwas für die Fachleute.

Das muss nun für die Hersteller und Händler von Naturstein heißen, dass auch sie das Potenzial ihrer Produkte in Sachen Recycling herausstellen müssen.

Das geschieht bislang nicht, auch wenn die Wiederverwendbarkeit des Materials offenkundig ist. Der Grund liegt darin, dass die Branche bisher unter Bezug auf die ägyptischen Pyramiden, Roms Marmorbauten oder die chinesische Mauer die lange Lebensdauer des Steins betont hat.

Nur: beeinflusst diese Argumentation wirklich einen Käufer bei seiner Entscheidung, zum Beispiel eine Küchenarbeitsplatte, die Fensterbänke oder die Badezimmerfliesen aus Stein zu kaufen?

Natürlich nicht. Denn ein privater Bauherr denkt heute bestenfalls noch in den Dimensionen der eigenen Lebenszeit.

Insofern sollte die Branche das aktuell untaugliche Argument des quasi ewigen Steins für andere Gelegenheiten in der Schublade lassen und in ihrer Selbstdarstellung viel mehr diejenigen Beispiele herausstreichen, wo und wie ihr Material wiederverwendet wurde und wird.

Natural Stone Sustainability Award

Wie das geschehen kann, zeigt die Stone Federation Great Britain, der Verband der dortigen Steinindustrie. Sie hat vor 2 Jahren einen neuen Preis geschaffen, den Natural Stone Sustainability Award (Preis für Naturstein-Nachhaltigkeit).

In diesem Jahr wurde das La Moinerie Hotel auf der Insel Sark im Ärmelkanal prämiert: Es ist ein Bauernhaus mit Nebengebäuden aus dem Jahr 1782, das zu einer luxuriösen Unterkunft umgestaltet wurde.

Wiederverwendet wurde für die Fassaden das alte Bruchsteinmauerwerk aus dem Farmhaus und Material aus den Ruinen eines nahen Klosters.

Um die Zufahrtsstraße wieder wie die alten Wege zu gestalten, holte der Hotelbetreiber altes Kopfsteinpflaster aus der Bretagne herüber. Ausgeführt wurden die Steinarbeiten von der Firma Granite le Pelley, die selber auf den Kanalinseln zuhause ist.

Dabei beschränkt sich der Preis nicht auf das Thema Recycling, sondern zeigt die ganze Vielfalt, wie sich Unternehmer als sympathisch in Sachen Umwelt darstellen können.

Einer der Gewinner im letzten Jahr war die Firma Forest of Dean Stone, die eine alte Mühle mit angeschlossenen Teichen wiederhergestellt hat und von dort ihren Strom bezieht. Ebenfalls prämiert wurde Stancliffe Stone, das sich für ein Biodiversitäts-Programm hat akkreditieren lassen und nun sein Gelände so gestaltet, dass dort Tiere und Pflanzen einen Lebensraum finden.

Ausgezeichnet wurde auch die Steinbruchfirma Lovell Purbeck: Sie hat die Dächer ihrer Fabrikanlagen mit Solarzellen bestückt und erzeugt so immerhin 20% des eigenen Stromverbrauchs. Rund 230.000 britische Pfund (etwa 290.000 €) mussten investiert werden. Die Firma rechnet damit, dass sich die Investition in weniger als 10 Jahren amortisiert.

Der Sympathiefaktor wird noch schneller wirksam werden.

Natural Stone Sustainability Award 2011

Natural Stone Sustainability Award 2012

La Moinerie Hotel

Granite Le Pelley

Forest of Dean Stone

Stancliffe Stone

Lovell Purbeck

Stone Federation Great Britain

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