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Stone Stories: der fränkische Plattenkalk – ein Archiv der Erdgeschichte

(August 2012) Wieder einmal hat der Plattenkalk der Frankenalp eine wichtige Rolle für die Wissenschaft gespielt: So wie der Fund des Archäopteryx vor ziemlich genau 150 Jahren Darwins Theorie von der Entstehung der Arten untermauerte, so bestätigt das Fossil des kleinen Raubsauriers vom letzten Jahr einmal mehr die Theorie, dass die Dinosaurier die Vorläufer der Vögel waren. Denn das in der Versteinerung possierlich anmutende Tierchen zeigt im ultravioletten Licht leuchtende Flecken und Fasern an den Skelettabdrücken.

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam um den Münchener Paläontologen Dr. Oliver Rauhut interpretiert sie als Reste von einem Federkleid. Die Erkenntnisse wurden in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns.

Mehr noch: die feinen Dauen an dem Fossil lassen darauf schließen, dass vielleicht alle Dinos mehr oder weniger stark befiedert waren, schreiben die Wissenschaftler. Damit muss die bisher herrschende Vorstellung von echsenähnlichen Lebewesen, wie sie im Film „Jurassic Park“ ihr Unwesen trieben, modifiziert werden.

Interessant an dem Fund ist auch, dass es sich um ein sehr junges Tier handelt. Vielleicht war es gerade erst geschlüpft. Zum einen bestätigt das die Tatsache, dass es auch bei den Dinos das Kindchenschema vieler anderer Lebewesen gab. Bei diesem nicht nur für Menschenkinder typischen Erscheinungsbild sind die Augen im Vergleich zum Körper sehr groß, so dass selbst Raubtiernachwuchs knuddelig erscheint.

Zum anderen liefert das Fossil die Bestätigung für die Vermutung, dass die Dinos während des Wachstums ihre Lebensweise sehr veränderten. Denn das nur 70 cm lange Baby trägt schlanke und spitze Fangzähne an der Schnauzenspitze, was darauf schließen lässt, dass es sich von Insekten und anderen kleinen Beutetieren ernährte.

Ausgewachsen mag es dennoch vielleicht 6 Meter lang und eine Tonne schwer gewesen sein. Solche Bestien konnten auch den Riesensauriern gefährlich werden.

Als wissenschaftliche Bezeichnung trägt das Tierchen nun den Namen „Sciurumimus albersdoerferi“. Der erste Teil bezieht sich auf das heutige Eichhörnchen, Sciurus, und bedeutet: „der Eichhörnchen-Nachahmer“ – aufgrund des besonders buschigen Schwanzes des kleinen Sauriers. Der zweite Teil ehrt den Privatsammler, der das Stück der Wissenschaft zur Untersuchung überlassen hat.

Die Hörer des Bayerischen Rundfunks hatten das Fossil schon „Xaveropterus“ getauft. Mit der Begründung, dass Xaver ein typisch bayerischer Name sei. Wir merken an, dass es im deutschen Süden auch reichlich – auf den ersten Blick – flauschige Piepmätze gibt.

Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS)

Ein weiterer Fund der letzten Jahre war „Bellubrunnus rothgangeri“. Ihn hatten Forscher 2002 unter der Leitung der von der Regensburgerin Monika Rothgaenger im Solnhofener Kalk entdeckt. Er ist nur 14 cm lang und damit der kleinste Langschwanzflugaurier, von dem es in Europa ein Fossil gibt. Aktuelle UV-Untersuchungen haben ähnliche Ergebnisse wie bei Sciurumimus ergeben. Beschrieben sind sie in dem Online-Magazin Plos One.

Plos One

Die Fossilien von Solnhofen

 

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