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Kunst: „Ich versuche, mich auf den Stein einzulassen“

(Dezember 2012) Am Anfang steht der Stein und daraus entsteht die künstlerische Idee, könnte man zu den Bildhauerarbeiten von Ingbert Brunk sagen – meistens, muss man aber gleich wieder einschränken, denn manchmal hat er auch schon die Idee im Kopf und sucht sich dazu den passenden Stein.

Brunk lebt auf der griechischen Insel Naxos und arbeitet mit dem dortigen Marmor. Reststücke aus der Produktion überlassen ihm die noch aktiven 4 Fabriken gerne. „Ich versuche, mich auf den Stein einzulassen“, schreibt er in einer Mail, „ich will eine Aussage machen ausgehend von dem, was der Stein schon mitbringt.“

Das können zum Beispiel die Adern sein, die der Marmor bei seiner Entstehung mitbekommen hat. Hier ein Objekt aus der Serie „Leibchen“. Oben „Gefaltet“.

Eine andere Besonderheit des Steins ist seine Durchsichtigkeit. Schlicht „Napf“ nennt er das Werk.

Je nach der Bearbeitung ergeben sich unerwartete Effekte. Typisch für den Stein sind auch die großen Kristalle. Sie schaffen eine „ganz eigene Spannung und gleichzeitig eine starke Harmonie“, wie es Brunk ausdrückt. „Einblicke“ hat er die Serie mit diesem Objekt genannt.

Anders als man erwarten könnte, kam Brunk nicht über eine Ausbildung als Steinmetz zur Bildhauerei. Vielmehr hatte er das deutsche Bildhauerehepaar Kubach-Wilmsen als Mentoren, und das zunächst nur deshalb, weil er aus Bad Kreuznach stammt, wo die beiden bekannten Künstler zuhause sind. „Der Kontakt hat mich geprägt und zur Kunst gebracht“, blickt er zurück.

Ein Studium an der Berliner Hochschule der Künste (heute: Universität der Künste) schloss sich an. Dort probierte er sich an vielen Materialien. „Die meiste Zeit aber habe ich mit Stein, vor allem Granit gearbeitet“, schreibt er. Im Rahmen dieses Studiums organisierten die Studenten dann einen Aufenthalt auf Naxos, und so kam er zu seinem heutigen Lebensumfeld.

Wenig Aufhebens macht Brunk um die Frage, wie und wann der berufliche Erfolg gelang: „Die Anerkennung kam erst spät, und es war ein harter Weg.“ Er fügt hinzu: „Aber Begeisterung trägt ungewöhnlich weit.“

Da müssen wir nun nichts mehr hinzufügen. Allenfalls ein paar Bemerkungen zum Naxos Marmor: Er wird seit Menschengedenken benutzt und war in seiner reinweißen Variante einer der beliebtesten Marmore der Antike. Nicht nur Bildhauer schätzten und schätzen ihn. Auch als Baumaterial war er beliebt, etwa für Fenster- oder Türportale oder auch für Tempelbauten. In den malerischen Ortschaften auf der Insel findet man ganze Straßenzüge aus dem Material.

Ingbert Brunk

Kubach-Wilmsen (deutsch)

Fotos: Ingbert Brunk

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