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Märkte: den Mitgliedern des Verbands einen spürbaren Nutzen bringen

(Dezember 2012) Sein Meisterstück war die Radon-Kampagne: im Jahr 2007 hatten die Medien in den USA plötzlich Falschmeldungen über die angebliche Freisetzung von giftigem Gas und radioaktiver Strahlung aus Granit aufgegriffen. Die Steinbranche stand am Abgrund, dies nicht nur in den USA, ihrem damals wichtigsten Absatzmarkt. Weltweit drohte ein Flächenbrand.

Garis „Gary“ Distelhorst, Geschäftsführer des Marble Institute of America (MIA) startete in einem beispiellosen Kraftakt eine Kampagne, an deren Ende die unsinnigen Behauptungen kein Thema mehr waren.

Die Initiative begann damit, Geld bei den Mitgliedern und auch bei Verbänden anderer Länder einzuwerben, ging weiter mit wissenschaftlichen Studien, die das MIA in Auftrag gab, und endete damit, dass die Erkenntnisse renommierter Forscher durch anschauliche Videos und verständliche Veröffentlichungen in die Öffentlichkeit getragen wurden.

Distelhorst war 11 Jahre CEO des MIA, des US-basierten Verbands der Steinbranche mit weltweiter Ausstrahlung. Zum Ende dieses Jahres geht er in den Ruhestand.

Dass Distelhorst ein sozusagen harter Brocken ist, zeigte nicht nur die Radon-Kampagne. Das bekommt man im Gespräch schnell mit: seine Gesichtszüge bleiben meist unbewegt und starr, und manchmal guckt er regelrecht grimmig drein.

Allerdings ist er in Wirklichkeit nur konzentriert bei der Sache. Wenn man ihn zum Beispiel zu etwas befragt, schiebt er nach der Antwort gern eine Rückfrage nach. Dann hat er irgendwie erschnüffelt, dass das Thema etwas für das MIA Interessantes haben könnte, und also geht er den Dingen gleich auf den Grund.

Neben der Radon-Kampagne besteht seine wichtigste Leistung als Chef des MIA darin, in die Steinbranche, die von kleinen und mittelgroßen Unternehmen geprägt ist, die Strategien der Industrie eingeführt zu haben.

So ist sein Credo, dass ein Verband den Mitgliedern konkreten Nutzen bringen muss. Und zwar nicht nur in Form von Lobbyarbeit, sondern als Dienstleistung mit messbarem Resultat.

Zu seinen herausragenden Initiativen zählen Weiterbildungsprogramme für Firmenmitarbeiter, etwa zur Sicherheit am Arbeitsplatz, ein Akkreditierungsprogramm , das bestimmte Qualitätsstandards gewährleisten will, und eine lange Liste an technischen Handbüchern.

Der Erfolg gibt ihm recht: in seinen 11 Jahren beim MIA ist die Mitgliederzahl von rund 600 auf fast 1500 angestiegen. 253 von ihnen kommen inzwischen aus dem Ausland. Zu Beginn der Amtszeit waren es 70 gewesen.

Auch wenn er die Internationalisierung des MIA mit Sitz in Cleveland, Ohio, vorangetrieben hat und man ihn auf allen internationalen Branchenmessen findet, kreiste sein Lebensweg immer um diesen Bundesstaat angrenzend an den Lake Erie der Großen Seen. Er absolvierte ein Studium an der Ohio State University und machte sich landesweit einen Namen als Geschäftsführer eines Verbands der College Shops (National Association of College Stores, NACS) dort.

Als persönliches Detail verrät eine Pressemitteilung des MIA, dass er „ein begeisterter Anhänger der Buckeyes ist“. Wir, in Europa zuhause, haben im Internet nachgeschaut, was sich hinter diesem Namen wohl verbergen mag: so nennt sich eine schmucke Hühnersorte aus Ohio und so heißen auch die Rosskastanien, für der Bundesstaat bekannt ist.

Ebenfalls trägt eine Sportorganisation der Ohio State University den Namen.

Die Rolle von Garis Distelhorst übernimmt James Hieb, bisher Vice President des MIA.

Marble Institute of America (MIA)