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Stone Stories: die Kampagnen tragen erste Früchte

(Januar 2013) Im November vergangenen Jahrs gab es wieder einmal Katastrophenmeldungen aus Firmen in Asien. Diesmal ging um ein Feuer in einer Textilfabrik in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch: dort waren in einem der oberen Stockwerke mindestens 124 Arbeiter ums Leben gekommen. Zwar hatte es Fluchtwege gegeben, jedoch führten diese nicht über Treppen außen am Gebäude nach unten, sondern innen durchs Erdgeschoss. Das stand aber bereits in Flammen.

Wir wollen diesen Vorfall in der Textilindustrie als Gelegenheit nehmen, mal wieder einen Blick auf die Steinbranche in Asien zu werfen. Was hat sich verändert, seit vor einigen Jahren zunächst Meldungen über Kinderarbeit in der Grabmalherstellung die Runde machten und danach auch die Arbeitsbedingungen bei manchen Firmen dort zum Thema wurden?

Drei Organisationen (siehe unten) bemühen sich von Europa aus, die Lieferketten frei von ausbeuterischen und verantwortungslosen Unternehmern zu halten.

Viel wurde durch die Kampagnen in den vergangenen Jahren erreicht, so der Stand der Dinge nach unserer Recherche.

Festzuhalten ist jedoch, dass die Bewertung, die jetzt folgt, nur für diejenigen Firmen gilt, die mit den Organisationen kooperieren. Sie sind nur ein winziger Anteil an der Gesamtheit der Produzenten und Verarbeiter von Naturstein in Asien.

Der Stand der Dinge: Kinderarbeit ist kein Thema in diesen Firmen.

Was die Arbeitsbedingungen angeht, haben die Unternehmen große Verbesserungen erzielt beziehungsweise angeschoben. Sie halten inzwischen die Standards der International Labour Organisation (ILO) ein und bieten zum Beispiel Schulungen zur Sicherheit am Arbeitsplatz und zum Gesundheitsschutz oder haben geregelte Arbeitszeiten. Die Organisationen machen auf ihren Webseiten detaillierte Angaben zu den Standards, die einzuhalten sind.

Erfolgreich scheint das Konzept zu sein, das die Organisationen verfolgen. Es basiert darauf, in freundschaftlichem Ton Verbesserungen zu erzielen, nicht sie im Stil von Kolonialherren zu erzwingen.

Dazu schicken die Organisationen Berater in die Firmen, die dort für die Standards werben und bei der Umsetzung helfen. Wesentliches Merkmal ist, dass diese Berater aus den jeweiligen Ländern kommen und zuvor aufwändig geschult wurden.

Am Ende steht eine Zertifizierung, auch Audit genannt. Sie wird von unabhängigen Außenstehenden durchgeführt. Danach gibt es eine offizielle Bescheinigung, die die Firmen bei ihrem Marketing einsetzen dürfen.

Eine generelle Anmerkung an dieser Stelle: Unzulässig ist die Verallgemeinerung, dass ein Lieferant, der nicht mit den Organisationen zusammenarbeitet, zwangsläufig Missstände in seinem Betrieb hat und diese verbergen will. Die Zertifizierung macht lediglich Aussagen über denjenigen Betrieb, der daran teilgenommen hat.

Dem Einkäufer jedoch gibt sie Gewissheit über das Unternehmen, bei dem er Steine kaufen will. Im Gegensatz zu einer Zertifizierung ist die bloße Selbstverpflichtung eines Lieferanten, dass er die Standards einhält, nicht viel wert.

Zurückhaltend zu beurteilen ist die Frage, ob die bislang erreichten Verbesserungen von Dauer sein werden. Denn in der Teppichindustrie scheinen die Siegel aus den 1990-er Jahren für Betriebe ohne Kinderarbeit nicht wirklich etwas gebracht zu haben: Besucher berichten, dass dort heute wieder Mädchen und Jungen an den Webstühlen arbeiten, und dass die Firmen das gar nicht mehr zu verbergen suchen.

Worum es also geht, ist, ein Umdenken bei den Unternehmern zu erreichen. Wir lassen hier Claire Adam von der Organisation tft zu Wort kommen: „Wichtig ist, dass eine Firma ihre Werte richtig setzt und den Wandel wirklich will.“ Transparenz sei der richtige Weg dorthin.

 

tft ist eine schweizerisch-britische Organisation. Sie kooperiert mit 120 Produzenten beziehungsweise Lieferanten aus Vietnam, Indien, China und Indonesien. Sie tut dies im Auftrag von 21 Händlern aus Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Schweden. Ihr „Responsible Stone Program“ führt die bisherige Initiative der niederländischen WGDN (Werkgroep Duurzame Natuursteen) fort.

Die Win=Win GmbH hat ihren Sitz in Deutschland und bezeichnet sich als „Agentur für globale Verantwortung“. Ihr Programm nennt sich „Fairstone“. Der Schwerpunkt liegt in China, wo es 50 Partnerfirmen gibt. Umgekehrt hat die Agentur 21 Partner in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Xertifix, ein eingetragener Verein, ist ebenfalls in Deutschland zuhause. Sein Schwerpunkt liegt auf Indien, wo 140 Firmen betreut werden. In Europa kooperiert der Verein mit 17 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.  

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