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Architektur: Granitfassade mit Swing-Rhythmus

(Februar 2013) Vielleicht lag vor langer Zeit ein riesiger hellgrauer Granitwürfel am Fannefjord in Norwegen, und eines Nachts kamen die Trolle aus den Wäldern herunter, ausgerüstet mit allerlei Werkzeugen, und säbelten aus dem Steinblock ganze Ecken heraus, hobelten von der Oberseite Flächen ab und kratzten in die Flanken winklige Linien hinein.

So sieht das neue Kulturzentrum in dem Städtchen Molde aus. Es wurde 2012 fertiggestellt.

Was haben die Architekten des dänischen Büros 3XN da gemacht, dass ihr Entwurf schon mit einem Scherenschnitt verglichen wurde?

Die Erklärung liegt in den örtlichen Gegebenheiten: Molde hat ungefähr 25.000 Einwohner, aber im Juli, wenn dort das Jazzfestival stattfindet, kommen um die 100.000 Fans dazu. Auch ein Literaturfestival gibt es.

Gebraucht wurde also ein Kulturzentrum, das gleichermaßen Spielort für die Großevents sein könnte, in dem aber auch über den Rest des Jahres zum Beispiel die Stadtbibliothek gut aufgehoben wäre.

Die Architekten schufen dafür ein Gebäude, das gewissermaßen aus sich herausgeht: die Freitreppe nebenan wird aufgrund der Stufen im selben Granit wie die Fassade als zugehörig zum Kulturzentrum verstanden. Sobald an ihrem Fuß etwas stattfindet, wird sie wie ein Amphitheater genutzt.

Das Dach des Gebäudes hat verschiedene Ebenen, die auch wieder durch Treppen verbunden sind und die ebenfalls auf dem Boden Granit tragen. Von der Terrasse mit Café bietet sich ein großartiger Blick über den Fjord auf die Berge dahinter.

Gleichzeitig führt die Freitreppe auch Besucher heran: sie ist Teil einer wichtigen Verbindung zwischen den höher gelegenen Ortsteilen und dem Ufer. Die verglasten Ecken und langen Fensterbänder in der Fassade öffnen das Kulturhaus optisch und laden die Passanten ein.

Besonders abends und im Winter lockt das warme Ambiente im mit viel Holz Inneren zum Besuch.

Nun wären die Architekten nicht 3XN, wenn sie die Fassade einfach nur mit rechtwinkligen Steinplatten verkleidet hätten. Vielmehr haben sie die Form liegender Trapeze gewählt. Wenn der Besucher von unten draufschaut, arrangieren sich die Linien zu Wellen. Dann swingt der Granit, möchte man passend zum Jazzfestival sagen. Die Oberfläche des Steins aus China ist geflammt, so dass sie pixelig wirkt. Hinter den gläsernen Aussparungen liegen Fenster für Büroräume.

Rund 6000 m² Fläche hat das Kulturzentrum auf 3 Etagen. Sein Kern ist ein Saal für Musik- oder Theateraufführungen. Dazu kommen 3000 m² Treppen und Vorplatz, die ebenfalls für Veranstaltungen dienen können.

Offenbar haben die Bürger ihr Kulturzentrum angenommen, auch wenn es ein Fremdkörper inmitten der umliegenden Bebauung ist. Lediglich über den Namen gab es Irritationen: „Plassen“ heißt das Gebäude schmucklos, „Platz“ übersetzt.

3XN

Fotos: Adam Mørk

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