Märkte: „Die Keramikfliese ist unser Wettbewerber!“

(Februar 2013) Wenn die alten Herrschaften aus einer Branche sich zu Wort melden, sollte man genauer zuhören. In der aktuellen Ausgabe der italienischen Fachzeitschrift Marmomacchine fordert Angelo Marabelli „einen internationalen Runden Tisch“ der Steinbranche, wo sie sich mit der Konkurrenz durch Keramik und Engineered Stone auseinandersetzen sollte.

Marmomacchine, Dezember 2012, Seiten 8 und 9 (Italienisch/Englisch)

Marabelli wird in diesem Jahr 80 Jahre alt. Als langjähriger Präsident verschiedener Branchenorganisationen und als Gründer von Marmomacchine hat er sich Rang und Namen erworben. Kennzeichen seiner Arbeit war, dass er immer wieder neue Ideen in die Branche brachte. Seit seinem Wechsel in den Ruhestand gibt Tochter Barbara die Zeitschrift heraus. Sohn Flavio ist Ehrenpräsident des Verbands Confindustria Marmomacchine.

Dramatisch beginnt Marabelli seine Analyse: „Die Zeit ist beinahe um“, schreibt er. Die Steinbranche befinde sich am Beginn einer existenziellen Krise, an deren Ende „das Aussterben der gesamten Produktionskette … mit allen daran hängenden Technologiebereichen“ stehen könnte.

Das zu lesen überrascht. Wird doch nach wie vor weltweit jedes Jahr mehr Naturstein verbraucht. Marabelli zeigt jedoch auf, woher die Bedrohung kommt: „Der Gegner … ist die Keramikfliese.“ Mehr und mehr seien diese Produkte dabei, in das Hochpreissegment vorzudringen und zum Beispiel mit billigen Imitationen von Naturstein das Original zu verdrängen.

Claude Gargi, Chefredakteur der französischen Fachzeitschrift Pierre Actual, weist schon seit einer ganzen Weile in seinen Leitartikeln in eine ähnliche Richtung: die Anstrengungen der westlichen Firmen sollten sich weniger gegen die Konkurrenz aus Asien richten, als vielmehr versuchen, der Keramikbranche Marktanteile abzujagen.

Wir fügen eine Beobachtung hinzu, die zeigt, dass bei der Steinbranche tatsächlich etwas nicht zum Besten steht: aus dem Nichts erschienen vor einem Jahrzehnt die Küchenarbeitsplatten aus Engineered Stone; inzwischen haben sie, obwohl keineswegs billiger als Naturstein, große Teile dieses Marktsegments besetzt.

Marabelli will mit seinem Runden Tisch an jenes Treffen italienischer und ausländischer Steinleute in den Siebzigern in Sant’Ambrogio Valpolicella während der Messe dort anknüpfen: damals war klar, dass die Märkte mehr Naturstein aufnehmen könnten, wenn nur die Branche mehr dafür tun würde.

Am Ende des Treffens war man sich einig, dass Marketing auch eine Sache der Steinbranche sein müsste. Zuvor hatte mancher das als neumodischen Quatsch abgetan.

Zwei Aspekte hebt Marabelli als Kennzeichen für seinen Runden Tisch hervor: zum einen will er eine wirklich internationale Gesprächsrunde initiieren. Zum anderen soll dort über Probleme und Lösungen geredet werden, nicht ein gegenseitiges Schulterklopfen erfolgen. Als Zielgruppe für seinen Vorschlag nennt er die Messeveranstalter. Verbandsvertreter will er nicht dabei haben.

Zusammen mit Marmomacchine hat Stone-Ideas.com einen Blog eingerichtet. Die Leser sind eingeladen, dort ihre Meinung einzustellen. Erwartet werden – ganz im Sinne von Angelo Marabelli – Ideen, nicht Selbstdarstellungen.

Die Ergebnisse aus dem Blog könnten die Arbeitsgrundlage für einen ersten Runden Tisch sein. Stattfinden könnte solch ein Treffen zum Beispiel im September im Rahmen der Messe in Verona oder außerhalb, gefolgt vielleicht von einem Treffen 2014 in Xiamen.