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Stone Stories: endlich kommt auch ein Steinboden mal zur vollen Wirkung

(Februar 2013) Eine besondere Attraktion für Freunde der Skulptur und des Natursteins bietet die Neue Nationalgalerie in Berlin mit ihrer Ausstellung „Im weißen Licht“. Präsentiert werden Marmorskulpturen aus dem frühen 19. Jahrhundert, und deren elegantes Material und die wallenden Formen stehen in Gegensatz zum strengen Quadrat aus Granit auf dem Boden des spektakulären Ausstellungsgebäudes aus dem Jahr 1968.

Bei unserem Besuch hatten wir sogar den Eindruck, als würde diese Kombination plötzlich den Steinboden sichtbar machen, den man normalerweise nicht bewusst wahrnimmt. Vielleicht ist das aber auch nur herbeigeredet.

Auf jeden Fall immer wieder sehenswert ist die Ausstellungshalle von Mies van der Rohe, in der die Kunstwerke wie ein offener Skulpturengarten irgendwo draußen erscheinen.

Die Skulpturen sind eigentlich in der Friedrichswerderschen Kirche zuhause. Dort aber gibt es Bauschäden, und so kamen die Figuren aus Marmor beziehungsweise Modelle aus Gips nicht ins Depot, sondern für eine Weile an den neuen Standort. Sie stammen von der Berliner Bildhauerschule mit berühmten Namen wie Johann Gottfried Schadow (1764-1850) oder Christian Daniel Rauch (1777-1857), deren Werke deutschlandweite Bedeutung hatten und sogar bis in die USA ausstrahlten. Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) war der damals führende Architekt und schuf zahlreiche Gebäude, die als repräsentative Bühnen für die Arbeiten der Künstlerkollegen gedacht waren.

Auf Schinkel führte Mies van der Rohe seine eigene Architektur zurück.

Die Neue Nationalgalerie ist auf den 1. Blick nichts als vier hohe Glaswände mit einem frei schwebenden Dach darüber, das Ganze in zahlreichen Quadraten gestaltet, etwa als Grundriss der Halle selbst oder als Kassettenmuster an der Decke.

Quadrate finden sich auch auf dem Fußboden: Platten von poliertem Granit liegen dort, in Stücken mit etwa 1,15 m Seitenlänge. Der Stein findet sich auch im Untergeschoss, auf den Treppenpodesten mit noch größeren Maßen.

Nur 2 Säulen verstellen die Halle obendrüber: Sie wirken, als würden sie das Dach tragen, dienen jedoch lediglich der Be- und Entlüftung und der Entwässerung des Dachs. An ihnen kommt grüner Tinos Marmor aus Griechenland prächtig zur Wirkung. Hier sind die Platten rechteckig mit Maßen von ungefähr 1,50 m x 0,85 m.

Draußen setzt sich der Bodenbelag aus Granit rund um das Gebäude fort und öffnet damit die Halle optisch noch mehr. Mit Granit verkleidet sind außerdem die Wände des Sockels, auf dem die Neue Nationalgalerie steht. Derzeit läuft eine Untersuchung über den Zustand des denkmalgeschützten Gebäudes. Die Granitsorten sind Epprechtsteiner und Striegauer.

Weiteren Naturstein findet man in dem Skulpturengelände an der Seite zum Landwehrkanal. Dessen Wasser fließt in einem Trog aus dicken Steinmauern. Auf der gegenüberliegenden Seite am Kulturforum gibt es noch mehr Steinskulpturen.

Der Zugang zu den Museen dort, dick belegt mit Naturstein, zeigt, dass das Material auch eine abschreckende Wirkung haben kann: die Rampe wirkt kalt und unwirtlich.

„Im Weißen Licht“, bis 28. Juli 2013, Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin, Di + Mi+ Fr-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Mo geschlossen