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Stone stories: Dimensionen in Stein jenseits der Vorstellungskraft

(März 2013) Die Reporter von BBC World News sprachen von „Bescheidenheit“ und „Demut“ als Kennzeichen des neuen argentinischen Papstes Franziskus I., der sich am 13. März 2013 nach dem Konklave zum ersten Mal sich der Öffentlichkeit zeigte. Sicher wirkte er klein, ja sogar winzig, auf dem Balkon des Petersdoms.

Kaum ein anderes Gebäude hat solche Säulen aus römischem Travertin in der Fassade: sie sind 28,3 m hoch, und die in der Mitte haben über sich einen Dreiecksgiebel, der wiederum die Blick der Besucher magisch auf den Balkon des Papstes darunter lenkt. Am Sims stehen die Statuen von Christus und den Aposteln, jede 5,8 m hoch. Petrus fehlt, dafür ist Johannes der Täufer dabei. In den 1990ern wurde die gesamte Anlage saniert. Seitdem erstahlen die Säulen wieder in ihrem historischen Weiß und die Wandflächen dazwischen in einem hellen Ockerton. Der wurde im 16. und 17. Jahrhundert gerne auf Außenwände aufgetragen, um Unregelmäßigkeiten in den Steinplatten zu kaschieren und die Materialkosten erschwinglich zu halten.

Die Fassade wurde oft als der gestalterisch schwächste Teil des Petersdoms kritisiert. Sie sei „zu breit für die Höhe, zu vollgepackt in ihrem Dekor und zu schwer in ihrem Sims“, wie das englische Wikipedia den Architekturhistoriker James Lees-Milne zitiert.

Dennoch bleibt sie wegen ihrer schieren Ausmaße beeindruckend (113 m breit, 45,5 m hoch), und so war wahrscheinlich auch der erste Auftritt zwischen den mächtigen Säulen ein beeindruckender Moment selbst für einen erfahrenen Kardinal wie den 76-jährigen Jorge Mario Bergoglio. Die BBC-Reporter hatten zuvor herausgestellt, dass er sich üblicherweise seine Mahlzeiten selber koche und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre.

Der „Showroom“ des Kirchenstaats ist aber nicht nur in Sachen Stein beeindruckend. Die zeitliche Dimension, für die er steht, kann dem Besucher ebenfalls den Atem rauben: der 25-m-Obelisk in der Mitte des Platzes wurde vom römischen Kaiser Caligula aus Ägypten nach Rom geholt, und als der 322-t-Koloss 1586 auf Befehl von Papst Sixtus V. an jenem Ort aufgestellt wurde, an dem angeblich Petrus sein Martyrium erlitt, war das eine technische Meisterleistung, die fortan über viele Generation als Sensation weitererzählt wurde. Berühmt sind auch Berninis Kolonnaden rund um den Platz, ebenfalls aus Travertin, um nur noch eine der vielen Besonderheiten zu erwähnen.

Franziskus I. hat sicherlich die Größe der Szenerie gespürt, als er vor seinem Segen die versammelten Gläubigen aus der ganzen Welt bat, für ihn zu beten.