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Stone Stories: Krankheiten und Leiden in luftiger Höhe

(März 2013) Die Herausforderungen waren beträchtlich. Um nur eine zu nennen: der Turm mit 13 m Höhe und der Masse eines mehrstöckigen Gebäudes wurde komplett demontiert und danach wieder aufgebaut. Das stellte besondere Anforderungen auch an die Statiker: denn wenn solch ein Gewicht an einem Gebäude plötzlich fehlt, kann das Auswirkungen auf den ganzen Bau haben.

Am Münster der britischen Stadt York fand in den vergangenen Jahren die Restauration großer Elemente in der östlichen Fassade statt. Die Arbeiten wurden nun mit einem der Preise der Stone Federation Great Britain gewürdigt.

Unter anderem ging es darum, künftig das Eindringen von Regenwasser ins Mauerwerk zu verhindern. Das war eine wesentliche Schadensursache. Dazu wurde zum Beispiel in einem Ring aus Stein die Zahl der Einzelstücke von 20 auf 10 reduziert. Das jedoch stellte außergewöhnliche Anforderungen an die Steinmetzen, denn der Turm als solcher war in sich nicht symmetrisch und auch noch leicht zur Seite geneigt. Das Einpassen der neuen großen Stücke verlangte also höchste Genauigkeit.

Aufwändig war auch das Neuerstellen von Zierelementen und Bögen. Keine Schwierigkeiten machte das Auffinden von Ersatzmaterial für den alten Kalkstein (magnesian limestone], denn es gibt noch aktive Steinbrüche dafür.

Eigentlich sei das für ihn und seine Leute nichts Besonderes gewesen, spielt Master Mason John David am Telefon das Projekt herunter. „Es war nur eine richtig große Baustelle, wie es sie selbst an einem Münster nicht so oft gibt“, gibt er dann doch zu.

So wurde sogar eine 3D-Simulation des Turms und der Wendeltreppe in seinem Inneren erstellt. Die war zwar für die Ausführung der Arbeiten nicht notwendig, wurde aber gebraucht, um den Entscheidungsträgern die Komplexität der Aufgaben anschaulich zu machen. Die Kosten für die Simulation hielten sich in Grenzen, weil es persönliche Kontakte gab.

Eher lustvoll hingegen war für die Steinmetzen die Wiederherstellung der 20 Grotesken, die ehemals den Turmkranz geziert hatten. Von ihnen war praktisch nichts mehr da – die Handwerker durften sich neue Motive überlegen. Vorgabe war nur, dass sie sich den Stil der Figuren im Innern des Münsters halten mussten. Das galt etwa für die Kleidung der Gestalten. „Wir wollten nicht auf Mittelalter machen, sondern nur im Rahmen unseres Münsters bleiben“, so John David.

Das Thema, das sich die Steinmetzen überlegten, war „Krankheiten“. Umgesetzt wurde es in Darstellungen aus dem weiten Feld medizinischer Probleme bis hin Verhaltensweisen außerhalb der Norm. Wie im Mittelalter üblich, sind die Darstellungen drastisch und ungeschminkt. Unsere Fotogalerie zeigt einige der 20 Figuren in 37 m Höhe.

Auf 2 Aktionen des Münsters in diesem Sommer wollen wir hinweisen: Es wird eine neue Ausstellung über das Gebäude geben, die mit allen Tricks moderner Präsentation zu arbeiten verspricht. Und auf einer Auktion können Interessierte alte ramponierte Steine von der Baustelle ersteigern.

York Minster

2012 Natural Stone Awards

Fotos: York Minster