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Architektur: eine Mauer, die mit dem Grundstück spielt, und ein Gotteshaus auf Goa

(April 2013) Die „innovative Verwendung von Naturstein aus Indien in herausragenden Projekten“ wird bei den  prämiert. Sie werden alle zwei Jahre auf der Messe StoneMart in Jaipur vergeben. Initiator ist das Center for Development of Stones (CDOS).

Diesmal gab es 85 Einreichungen von 49 Architektenbüros. Von den 4 Preisträgern präsentieren wir 2 ausführlich. Zu den anderen konnten wir bis Redaktionsschluss keine Informationen bekommen.

In der Kategorie Landschaftsgestaltung ging der Preis an ein in vielerlei Hinsicht ungewöhnliches Projekt. „Running Wall Residence“ nennt sich das Wohnhaus im Bundesstaat Kerala, übersetzt vielleicht: Residenz mit der laufenden Mauer.

Aus Laterit ist nämlich diese Mauer, und Laterit ist zwar ein Baustein, aber eigentlich nicht das, womit sich die Natursteinbranche beschäftigt.

Denn es ist ein Überbeibsel von zum Beispiel Granit oder Basalt, denen das tropische Klima über sehr lange Zeiträume zugesetzt hat. Am Ende bleibt dann der meist kräftig rote Laterit übrig, manchmal hart genug für einen Baustein, jedenfalls aber leicht zu gewinnen. Folglich gehört er in Indien zu den traditionellen Baustoffen der einfachen Leute.

Die Running Wall Residence aber haben sich Leute aus einer ganz anderen Bevölkerungsschicht bauen lassen. Zudem liegt das Gebäude in einem wegen Gewalt berüchtigten Distrikt und ist folglich außen herum mit einer hohen Betonmauer abgeschirmt. Das Haus sollte den Eindruck einer „Festung (vermitteln), die man nicht ersteigen kann“, so der ausdrückliche Wunsch des Bauherrn.

Dieser Situation stellt die Lateritmauer einen verspielten Kontrast entgegen: Sie beginnt am Eingangstor an der Umgebungsmauer und verläuft dann in Schlangenlinien über das weite Gelände, trennt einzelne Bereiche ab, stellt zu anderen eine Verbindung her…

… und taucht immer wieder ins Haus ein, wo sie zur Wand wird.

Als Mauer innerhalb der Umgebungsmauer schafft sie auf dem Terrain sozusagen innere und äußere Bereiche, wobei sie Blickachsen erlaubt und genauso verstellt. Denn sie ist an einigen Stellen gut 3,5 m hoch und geht an anderen auf gut 1 m herunter.

„Die Mauer schafft Privatheit wo nötig, erlaubt aber Offenheit wo gewünscht“, umreißt Architektin Reny Lijo das Konzept.

Sie ist Mitglied im Büro LIJO.RENY.architects, zusammen mit dem Partner Lijo Jos. Lijo ist hier einmal Familien- und einmal Vorname.

LIJO.RENY.architects

In der Kategorie Außenwändeging der Preis nach Goa, den kleinsten Bundesstaat Indiens, für die Kapelle Unserer Lieben Frau der Immerwährenden Hilfe (Chapel of Our Lady of Perpetual Succor) im Dorf Maxem.

Das Gotteshaus unterschiedet sich radikal von den traditionellen katholischen Kirchen in Indien, die ihre Vorbilder in Südeuropa haben: statt sich deutlich aus der Landschaft herauszuheben, schmiegt es sich an den Felshang an.

Im Inneren lässt es den Felsen dort, wie er ist, praktisch unberührt.

Die Außenmauern nehmen über ihr Material Bezug zum Ort: verwendet wurde Basalt (hinten) aus einem 30 km entfernten Bruch …

… und auch hier wieder Laterit. „Laterit ist das in Goa am meisten verwendete Baumaterial“, schreibt uns Rajeev D’Silva vom Büro Architecture R/T, der zusammen mit seiner Ehefrau Tallulah den Preis bekam. Wir empfehlen einen Blick auf die Webpage, wo sich die Firma selbst vorstellt.

Architecture R/T

In zwei weiteren Kategorien gingen Preise an Manish Banker, Pune, und Rahul Sen, Neu Delhi.

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