„Ohne dass man dazusagen muss, was es soll“

(Mai 2013) Viele ihrer Skulpturen sind Frauengestalten mit markanter Form: sie haben dicke Schenkel und Hintern, kleine Brüste und dünne Arme, aber keinen Kopf.

Doch die Bildhauerin Renate Verbrugge, aus Belgien stammend und in Neuseeland lebend, wehrt sich dagegen, wenn der Betrachter zu ihren „girls“, wie sie die Figuren nennt, große Interpretationen kreieren will: „Meiner bescheidenen Meinung nach soll eine Skulptur … Emotionen hervorrufen und so den Betrachter berühren, ohne dass man dazusagen muss, was sie soll.“

Schade. Wir hätten gerne mal wieder herumgedeutelt und schlau getan.

Erzählen wir statt dessen ein bisschen aus Renate Verbrugges Leben sowie von ihrem Weg in die Bildhauerei und nach Neuseeland.

In Belgien wuchs sie in einer kunstinteressierten Familie auf, aber Künstlerin zu werden war nie ihr Ziel. Nach Neuseeland zu gehen, war eine Entscheidung zusammen mit ihrem damaligen Ehemann wegen der Kinder: „Belgien war uns zu hektisch und zu voll, als dass wir unseren Söhnen von 3 und 5 Jahren die Kindheit hätten geben können, die wir ihnen geben wollten.“

Ohne Atempause folgt in ihrer Mail der nächste Satz: „Die beste Entscheidung, die wir jemals getroffen haben.“ Später gibt es noch so einen entschieden hingeschriebenen Satz: „Ich verdanke der Te Kupenga Stone Sculpture Society alles, was ich (künstlerisch) mache.“

4 Jahre vergingen, und dann besuchte sie das Te Kupenga Symposium in New Plymouth. Beiläufig zeigte ihr einer der Künstler, Filipe Tohi, wie man mit Stein arbeitet. „Seitdem ist die Bildhauerei zur Leidenschaft meines Lebens geworden“, schreibt sie, „inzwischen habe ich daraus einen Job gemacht und liebe jede Minute meiner Arbeit“.

Das Symposium wird jährlich im Januar von der Te Kupenga Stone Sculpture Society organisiert. Die hat sich zum Ziel gesetzt, den lokalen Taranaki Andesit in der Bildhauerei bekannter zu machen. Der Berg, von dem der Stein stammt, ist der Mount Taranaki, ein erloschener Vulkan.

Genau wie auch andere Mitglieder der Künstlergemeinschaft arbeitet sie aber auch mit anderen Steinen. Sie bevorzugt ihrerseits harte Sorten, speziell den Kalkstein Belgian Blue aus ihrer alten Heimat. Den besorgt ihr der belgische Großhändler BMB mit Sitz in Wortegem-Petegem.

Werk für das Symposium in Orzinuovi, Italien, 2010. Botticino Marmor.

Neben den „girls“ findet man unter den Arbeiten auf ihrer Webpage auch viele geometrische Formen wie Würfel oder Quader.

„Ti Ricordi il Sole?“ (Erinnerst Du Dich an die Sonne?). Trachyt. Fotos: Renate Verbrugge

Immer sind aus deren Oberfläche markante Strukturen herausgearbeitet.

Zwei weitere Arbeiten wollen wir nur erwähnen: bei der einen handelt es sich mehrteilige Gestalten, die der Betrachter selber umgruppieren kann. Bei der anderen steht ein Paar Stiefel hinter einem Schaf: es behandelt das Leben der frühen Viehzüchter in dem ehemals menschenleeren Neuseeland. Geschaffen hat sie es auf dem Te Kupenga Symposium 2012. „Die Leute hatten viel Freude und konnten nur grinsen“, berichtet sie und fügt hinzu: „Ich liebe den Humor in der Bildhauerei, ich liebe es, die Leute lächeln zu sehen, wenn sie mit meinen Arbeiten interagieren.“

Renate Verbrugge

BMB

Te Kupenga Stone Sculpture Society

Renate Verbrugge. Foto: Hilary