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Windparks auf See als neue Heimat für Hummer?

(Mai 2013) Windparks auf See könnten ein neuer Lebensraum für Hummer werden. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) haben jetzt die Aufzucht von 3000 Hummern gestartet, die sie im kommenden Jahr auswildern wollen. Untersucht werden soll, ob sich die Meerestiere in den künstlich angelegten Steinfeldern an den Fundamenten der Windräder ansiedeln. Mit knapp 700.000 € fördert das Land Niedersachsen das Projekt im Offshore-Windpark „Riffgat“.

Mit dem Bau von Windparks auf hoher See entstehen am Meeresgrund der Nordsee neue Strukturen. Sand- und Schlickböden dominieren den Untergrund in der Deutschen Bucht, Windräder bieten dort als so genanntes Hartsubstrat einen neuen Siedlungsraum. Ein Beispiel für einen Bewohner solcher Meeresböden ist der Europäische Hummer, der als nachtaktives Tier tagsüber Höhlen als Versteck braucht. Forschende der Biologischen Anstalt Helgoland, die zum Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, gehört, wollen Hummer in diesem neu entstehenden Lebensraum aussetzen.

„Die in großer Zahl in den nächsten 15 Jahren in der Deutschen Bucht entstehenden Windparks stellen zwar einerseits einen Eingriff in das Ökosystem dar, könnten aber auch mit Maßnahmen zu einer ökologischen Aufwertung verbunden werden“, sagt Prof. Dr. Heinz-Dieter Franke, AWI-Biologe auf Helgoland. Weil nämlich das Gelände der Windparks für die industrielle Fischerei gesperrt werde, entstehe ein dringend benötigter Schutz- und Erholungsraum für Fische und wirbellose Bodenfauna.

Dies gilt auch für die Population des Europäischen Hummers in der Deutschen Bucht, die im Wesentlichen auf das Felsgebiet um die Insel Helgoland beschränkt ist. „Trotz Schutzmaßnahmen hat sich die Hummerpopulation bis heute nicht von einem starken Einbruch in den 1950er und 1960er Jahren erholt“, so Franke. Eine erfolgreiche Ansiedlung der Tiere in den Steinfeldern, die als Kolkschutz die einzelnen Windkraftanlagen umgeben, könnte zu einer langfristigen Stabilisierung der Population beitragen. Solche Steinschüttungen werden zum Beispiel auch am Fuß von Leuchttürmen angelegt.

AWI-Wissenschaftlerin Dr. Isabel Schmalenbach wird 3.000 Tiere in einer Anlage auf Helgoland im nächsten Jahr aufziehen. Wenn die Junghummer dann etwa zehn Zentimeter groß sind, setzt die Forscherin sie im Windpark aus.

In den Folgejahren untersuchen Schmalenbach und ein Team um den wissenschaftlichen Taucher Dr. Roland Krone anhand eines Vergleichsgebiets, wie viele der Jungtiere sich erfolgreich in den Steinfeldern angesiedelt haben, ob sie in einem Steinfeld geblieben sind oder sich in einem benachbarten eine Höhle gesucht haben, wie sich die Begleitfauna (Großkrebse und Fische) entwickelt hat und ob wilde Hummer zugewandert sind. Das Projekt stützt sich dabei auf die langjährigen AWI-Erfahrungen mit Aufzucht- und Aussetzprogrammen von Junghummern bei Helgoland.

Die Arbeiten werden in enger Kooperation mit dem Betreiber des Offshore-Windparks RIFFGAT GmbH, Oldenburg (ein Zusammenschluss des Energiebetreibers EWE und der Unternehmensgruppe ENOVA) und mit dem Projektpartner datadiving GmbH um Dr. Roland Krone durchgeführt.

Quelle: Alfred-Wegener-Institut

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