Lichtspiele auf und im Marmor

(Mai 2013) Mit kleinen Kindern, die noch die Welt entdecken, würde es vor einer solchen Wand wohl Ärger geben: denn die neue Kollektion der italienischen Firma Lithos Design spielt mit der Lichtwirkung am und im Naturstein, und man kann sich unschwer vorstellen, wie Kinder immer und immer wieder die Beleuchtung an- und ausknipsen wollen, weil das Material für sie jedes Mal neu ist.

„Le Pietre Luminose“ (Die Leuchtenden Steine) hat der Designer Raffaello Galiotto seine neueste Kreation genannt. Einiges an der Idee ist altbekannt, einiges neu, aber insgesamt erschließt die Kombination von Naturstein und Technologie dem Material bisher unerreichte Perspektiven.

Altbekannt ist das Hinterleuchten des Steins, der dafür dünn geschnitten wird. Neu ist jedoch ein 3D-Effekt, den Galiotto einbringt: er schneidet nicht die gesamte Fläche seiner Fliesen auf zirka 5 mm Dicke herunter, sondern fräst nur Linien ins Material. Die wiederum sind mal mehr oder weniger tief und lassen folglich mal mehr oder mal weniger Licht durch.

So kommt zu den Strukturen im Stein, die man bei Hinterleuchtung als dunkle Schatten im Material sieht, noch eine zusätzliche Hell-Dunkel-Komponente hinzu.

Zwei Marmorsorten haben Galiotto und die Entwickler von Lithos Design für ihre Lichtspiele ausgesucht, den weißen Carrara Ghiaccio und den portugiesischen Rosa Agata. Mit anderen Sorten könnte man dem 3D-Effekt sogar noch einen zeitliche Aspekt hinzufügen, die 4. Dimension: bei Sedimentgesteinen wie Kalkstein oder Sandstein würde der Blick in unterschiedliche Schichten auch ein Blick über Millionen Jahre rückwärts sein.

Passend also auch in dieser Hinsicht, dass die acht Fliesen der Kollektion die Namen von Sternen aus den Tiefen des Alls bekommen haben.

Ganz innovativ ist an den Pietre Luminose die Installation. Denn hinter jeder Steinfliese verbirgt sich eine Box mit der Lichtquelle. Die Größe dieser Metallschachtel mit Stein beträgt 60 x 60 cm bei 11 cm Höhe. Das Licht kommt aus 4 Neonröhren mit je 14 Watt.

Diese Boxen (komplett mit dem Stein je 20 kg) lassen sich sehr exakt nebeneinander an einer Wand anbringen. Große Fugen hingegen würden die Wirkung der Lichtwand zerstören.

Technologie kommt hier auf zweierlei Wegen zum Stein: zum einen beim Herausfräsen der Lichtlinien, zum anderen in der Installationstechnik. Zusammen mit dem Design erreichen die Pietre Luminose damit die Voraussetzungen, den Markt für große Stückzahlen zu erobern.

Und wenn eine der Neonröhren den Geist aufgibt? Die Boxen lassen sich öffnen, denn die Fliesen sind mit 2 Stiften und 2 Schrauben befestigt. Allerdings ist der Aufwand für einen Austausch der Röhren bisher recht groß: Befindet sich der Defekt am Fuß der Wand, muss man die Boxen einer Linie von oben nach unten öffnen.

Dass noch weitere Lichteffekte möglich sind, ist nun wieder nichts Neues: ein Streiflicht von oben oder von der Seite lässt den 3D-Effekt nochmal anders erscheinen, und die Hinterleuchtung kann natürlich auch gedimmt werden. Und klar, gibt es den Schalter fürs An- und Ausschalten des Lichts.

Lithos Design

Raffaello Galiotto

Fotos: Lithos Design

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