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Gebirge und Bergketten sind Motoren der Artenvielfalt

(Mai 2013) Gebirgsregionen sind in vielfacher Hinsicht Motoren der Artenvielfalt, auch wenn sie bei Momentaufnahmen eher als karge und unwirtliche Landschaften erscheinen. So entstehen zum Beispiel in Auffaltungen von Bergketten neue Lebensräume mit besonderen Bedingungen. Diese sind attraktiv für Pflanzen- und Tierarten, verlangen aber von den Zuzüglern, dass sie sich an die dort herschenden Bedingungen anpassen (was ein Anstoß für die Entstehung neuer Arten ist). Zum anderen versorgt das Gesteinsmehl aus den Bergen über die Flüsse ganze Landstriche und sogar das Meer mit Nährstoffen. Wissenschaftler der Universitäten Amsterdam und Frankfurt, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) und des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) haben in der März-Ausgabe der Zeitschrift Nature Geoscience diese neue Sicht auf die „Knautschzonen“ der Erde vorgestellt.

Bergketten und Gebirge haben vielfältige Auswirkungen auf die biologische Vielfalt: Während sie die Verbreitung mancher Organismen unterbinden, stellen sie für andere Arten Brücken zwischen Lebensräumen dar. Neu entstehende Gebirge zerschneiden einst homogene Lebensräume, oder aber verbinden Landmassen und schaffen so neue Wege für sich ausbreitende Arten.

Gebirgsregionen beherbergen außerdem eine Vielzahl sehr speziell angepasster Arten in räumlich kleinen Nischen – und erstaunlicherweise sind diese Arten von sich ändernden Klimabedingungen oft geringer betroffen als Flachlandarten: Sie müssen nicht weit wandern, um wieder optimale Temperaturen vorzufinden.

Ihr großer Artenreichtum lässt Bergregionen auch zur „Biodiversitätspumpe“ für die angrenzenden Flachlandregionen werden, in die laufend Arten aus den Gebirgen zuwandern und bei der notwendigen Anpassung zu neuen Spezies werden.

Aber nicht nur das unmittelbare Umfeld wird durch die Arten aus den Gebirgen bereichert, die majestätischen Dächer der Welt prägen vielmehr ganze Kontinente: Das an biologischer Vielfalt unermesslich reiche Amazonasbecken beispielsweise wäre ohne die Anden nicht denkbar. Die aus der Verwitterung der andinen Gesteine stammenden nährstoffreichen Sedimente bilden die Grundlage für den einzigarten Artenreichtum der Amazonasregion.

Und der Einfluss des Gebirges reicht sogar bis in den Atlantischen Ozean: Durch den Amazonas weit ins Meer hinaus transportierte Sedimente schaffen hier völlig andere geochemische Bedingungen als in den angrenzenden Gewässern. Dasselbe gilt für die Alpen oder den Himalaya – überall zermahlen Wind und Wasser das Gestein und machen seine wertvollen Minerale so für das Leben zugänglich.

Deshalb plädieren die Forscher in der Zeitschrift für eine engere Zusammenarbeit zwischen Bio- und Geowissenschaftlern, um die Vorgänge bei der Evolution besser zu verstehen.

Quelle: Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)