Schmuck aus Naturstein

(Mai 2013) An der Saimaa Fachhochschule im finnischen Imatra gibt es den Bachelor-Studiengang Culture and Arts, in dem Studenten den Schwerpunkt Jewellery Art wählen können. Hier wiederum ist die Spezialisierung auf Schmuck aus Naturstein möglich.

Eine der Arbeiten einer Studentengruppe war der Anstecker mit einem Kopf aus finnischem Granit auf dem Foto oben.

Reden wir erst darüber, wo man Imatra findet: es liegt etwa 30 km von der Grenze zu Russland entfernt in Karelien, wie die Gegend dies- und jenseits der Grenze traditionell heißt. Der Nachbarort ist die Stadt Lappeenranta mit gut 70.000 Einwohnern.

In der Umgebung hat die Steinbranche Finnlands ihre wichtigsten Standorte. Vor allem Granit wird gewonnen und in Blöcken ins Ausland exportiert. Halb St. Petersburg sei aus finnischem Material gebaut, erzählen die Einheimischen gerne. Schließlich liegt die russische Metropole nur etwa 80 km auf der anderen Seite der Grenze.

Ein besonderer Stein der Gegend ist Spektrolith, in der kanadischen Variante als Labradorit besser bekannt. Zu ihm müssen wir nun eine kuriose Geschichte erzählen: auch wenn der Spektrolith seit alters her ein beliebter Stein für die Schmuckherstellung war, hatte man nie seine großen Lagerstätten aufgespürt.

Dann kam der 2. Weltkrieg, und die Finnen fürchteten Panzerangriffe aus der Sowjetunion. Als Blockade legten sie eine Sperrlinie aus massiven Steinblöcken quer durch das Land, im Volksmund Salpa Linja genannt. Als nun der Krieg vorüber war, untersuchte ein Geologieprofessor diese dicken Brocken genauer und so konnte er am Ende – 6 km vor der Grenze – die Lagerstätte des Spektrolith ausfindig machen.

Heute kann man an der Fachhochschule von Imatra den Schwerpunkt Schmuckdesign belegen und sich dabei auch auf Naturstein konzentrieren. Vier Jahre dauert das Bacherlor-Studium.

Eines der Kennzeichen ist die internationale Ausrichtung. Sogar aus Tokio kamen schon Teilnehmer. Pro Jahr werden zwischen 2 und 6 Studenten aufgenommen.

Themen im Schmuckdesign sind nach einer übergreifenden Einführungsphase für alle Fachrichtungen die (Edel-)Steinsorten, deren Bearbeitung oder die Techniken zum Beispiel für Verschlüsse, um nur einige herauszugreifen.

Nelli Tanner, Leiterin der Jewellery Art, nennt weitere Fragen, die behandelt werden: „Was heißt es, einen Stein zu tragen? Was ist der historische Zusammenhang?“ Die Zielrichtung lautet: „Wir wollen Grenzen aufspüren und Unmögliches möglich machen.“

Als Beispiele für diesen Denkansatz zeigen wir Abschlussarbeiten des polnischen Absolventen Marek Mrowinski: oben eine Kette, bei der die steinernen Glieder aus einem einzigen Stück Diabas herausgearbeitet (und dann mit den anderen Teilen aus Holz verbunden) wurden, …

… oder eine Kette aus Kunststein: Hier hatte Mrowinski erst den Diabas gemahlen, dann das Pulver mit Harz versehen und es in die Form von Kettengliedern gebracht. In mehrfachen Durchgängen der Bearbeitung wurde der Anteil an Stein immer geringer, was wiederum die Farbe änderte.

Das letzte Studienjahr steht für Abschlussarbeiten zur Verfügung. Spätestens dann sollen die Studenten „ihre individuelle Ausdrucksweise entwickeln”, so Nelli Tanner.

Wir zeigen im Folgenden weitere Beispiele, ganz unten einige künstlerische Objekte mit Naturstein.

Auch das Vermarkten der eigenen Kreationen lernen die jungen Leute. Zum Ende jedes Studiendurchgangs gibt es eine öffentliche Präsentation der Abschlussarbeiten auf der alten Zitadelle in Lappeenranta.

Regelmäßig wendet sich der Studiengang mit größeren Veranstaltungen an die Öffentlichkeit: Im Jahr 2011 fand ein Symposium mit internationalen Schmuckdesignern statt. In seinem Rahmen entstand ein Buch mit dem Titel „Spirit of Stone” (Publications of the Saimaa University of Applied Sciences, ISBN 978-952-5714-48-7), das die einheimischen Steinsorten und finnische Schmuckdesigner vorstellt.

Alle 3 Jahre findet das Festival „Koru” (finnisch für Schmuck) statt, zuletzt 2012.

Die Kooperation mit den Steinfirmen vor Ort läuft sehr gut, sagt Nelli Tanner. Die Unternehmen zeigen den Studenten regelmäßig ihre Steinbrüche oder stellen ihnen Material zur Verfügung. Im vergangenen November gab es an der Hochschule in Kooperation mit dem Verband der Steinbranche und unterstützt von der Politik ein Seminar zu Produktdesign mit Naturstein und zur Verwendung des Abfalls aus den Steinbrüchen.

Saimaa University of Applied Sciences

Bachelor of Culture and Arts (Mail)

Curriculum des Studiengangs Bachelor of Culture and Arts

Nelli Tanner, Leiterin der Abteilung Schmuckdesign

Tarja Lehtinen, Ex-Studentin und jetzt Lehrerin an der Hochschule

Finnish Jewellery Association

Einige Webadressen von Absolventinnen und Absolventen der Hochschule:

Marek Mrowinski (Mail)

Sara Gackowska (Mail)

Jenni Sokura

Minna Markkanen

Lulu Jokinen (Mail)

Ulla Ahola

Tarja Tuupanen

Kirsti Doukas

Kalevala Koru

Viivi Manninnen

Ivary Vimm