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Die örtliche Geschichte und das Unbewusste

(Juni 2013) Sehr unterschiedlich sind die Bildhauerarbeiten, die Jason Mulligan auf seiner Homepage zeigt. Zum einen sind es Stücke mit Bezug zur Geschichte und zum Ort, an dem sie stehen. Meist finden sie sich in Nordirland und wurden in Projekten mit Einheimischen erstellt.

Zum anderen sind es ganz abstrakte Werke, zu denen er sinngemäß schreibt: ihn interessiert das Unbewusste, auch der Einfluss einer Umgebung auf das Denken einer Person.

Jason Mulligan stammt aus Nordirland und lebt und arbeitet seit 17 Jahren in der Grafschaft Kent im Südosten Englands. Er absolvierte ein Studium an der University of Northumbria in Newcastle Upon Tyne, das ist im Norden von England, und er nennt als seine Lehrmeister Künstler wie Paul Mason, Hideo Furuta und Hamish Horsley.

Public Art war im vergangenen Jahrzehnt sein wichtigstes Arbeitsgebiet. Es meint Kunst unter Beteiligung der Leute vor Ort, wobei das Ziel der Auftraggeber ist, die Identifikation der Bürger mit ihrem Lebensraum zu stärken.

„Winding the Warp“ (Den Kettfaden aufwickeln) steht in einem ehemaligen Zentrum der Belfaster Textilindustrie. Das Werk beschreibt einen Vorgang bei der Vorbereitung des Garns für den Webstuhl. Der Künstler hat die Bewegungsabläufe abstrakt in den Stein eingearbeitet.

Einbezogen in die Arbeit waren die Bürger aus der Gegend mit dem Namen „The River Streets“ (Die Straßen der Flüsse). Dort sind die Straßen nach den Namen der großen irischen Flüsse benannt. Mulligan hat auf den Wunsch der Bürger hin Säulen entworfen, die sich auf die Wasserläufe beziehen. Eine Seite von „Winding the Warp“ trägt stilisierte Wellen.

Beim Projekt „Tudor Pillar“ (Tudor-Säule) wünschten sich die Bewohner im Norden Belfasts ein erkennbares Zeichen für ihren Bezirk. Der Künstler veranstaltete Workshops, wo die Ansässigen das Arbeiten mit Bronze lernten. Nun zieren bronzene Symbole etwa zum Thema Werften Werften Mulligans Stele.

„The Story Telling Chair“ (Der Stuhl, der Geschichten erzählt) war ein Gemeinschaftsprojekt mit einer Schule in Kent, die eine Art von Bühne für ihren Unterricht wollte. Die Schüler lernten mit Hammer und Meißel umzugehen und fertigten Wasserspeier und Wächter, wie sie sie von der örtlichen Kirche kannten. Für den Stuhl entwarfen sie Pflanzen- und Tierbilder aus der Natur.

Was nun seine abstrakten Werke angeht, nennt Mulligan „Identität“ und „Selbst“ als seine Themen. Die Art seines Arbeitens bezeichnet er als „direct carving“ (direktes In-den-Stein-hauen) und bezieht sich auf Isamu Noguchi, der einmal sagte: „Es gibt 2 Typen von Bildhauern: Die einen machen einen Plan, was sie machen wollen, und dann machen sie es. Die anderen machen etwas und schauen dann, was sie da gemacht haben. Ich gehöre zum zweiten Typ.“

Dabei gesteht Mulligan als Teil des künstlerischen Prozesses auch dem Material eine Mitwirkung zu: „Man wählt einen Brocken im Steinbruch anhand von dessen Form aus, arbeitet daran, entdeckt ihn und geht auf eine Reise über seine Oberfläche, wobei man dem Stein manchmal erlaubt zu bestimmen, wie er behandelt werden will.“

Jason Mulligan

Fotos: Jason Mulligan

(05.06.2013)