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Einfachheit, Genügsamkeit und Anpassung an die lokalen Gegebenheiten

(Juni 2013) Alles in diesem Gebäude ist aus Sandstein, nun gut: das meiste und das Wichtige. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich: zum einen ist die Gegend Marwarh im indischen Bundesstaat Rajasthan, in der die  Bissel Farm liegt, eine Termitengegend, und deshalb wurde Stein zum Beispiel auch für die Türrahmen verwendet. Außerdem gibt es Sandstein in hinreichender Menge in den nahen Arravali-Bergen.

Zum anderen handelt es sich um eine Landschaft mit wüstenartigem Klima: die dicken Wände nur aus Bruchstein mit Kalkputz als Bindemittel können in den kühlen Nächten die Kälte aufnehmen und so tagsüber die Temperaturen innerhalb der Räume herunterkühlen.

Schließlich hieß der Wunsch des Bauherrn an den Planer: „Bau’ mir ein Dharmashala.“ Das Wort bezeichnet eine Pilgerstätte. „Einfachheit und Genügsamkeit“ waren die Leitlinien unserer Arbeit“, benennt Architekt Rahul Sen die Folgerungen, die er daraus zog.

Hier müssen wir ein paar Takte zum Bauherrn sagen. Es handelt sich um William Bissel, Chef von Fabindia. Das Unternehmen vertreibt seit 50 Jahren Möbel oder Textilien von Handwerkern und Kleinkünstlern, die auf dem Land leben. Hergestellt sind die Produkte aus Materialien, die wiederum auf dem Land produziert wurden.

Das Knowhow, das die Menschen dort haben, fördert Fabindia aktiv durch Weiterbildung der Produzenten. Unter anderem für solche Veranstaltungen wurden dafür auf der Farm des Unternehmers 2 Erweiterungsgebäude geplant.

Architekt war Rahul Sen von Sensen Design, einem Büro mit Sitz in Neu Dehli. Eines der Erweiterungsgebäude ist fertig und unser Thema. Es wurde mit einem der aktuellen All India Stone Architectural Awards (AISAA) ausgezeichnet.

Errichtet wurde der Komplex mit 6 Wohnungen um einen Innenhof.

Teils handelte es sich um reine Handarbeit, wie im Fall der Bruchsteinmauern. Teils verwendeten die Maurer Standardteile, die vorgefertigt aus dem Steinbruch kamen.

Solche Teile waren die Säulen und die Steinbalken. Mit Kränen haben die Maurer sie auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt. Neben dem Gewicht hält ein chemischer Kleber sie an ihrem Platz.

Die Dächer sind ebenfalls mit vorgefertigten Steinplatten belegt. Diese haben eine Dicke von rund 5 cm (2“), sind 28 cm (11“) breit und überspannen etwa 3,30 m (11’ bis 11’6“).

Die Platten tauchen auch als Treppenstufen für den Aufstieg zum Dach auf.

Rahul Sen betont, dass er selber bei dem Projekt viel von den Menschen vom Land gelernt habe. Zum Beispiel: Jede Wohnung hat eine Veranda, die den Zugang im Schatten hält.

Außerdem sind die Wände des Innenhofs mit weißen Kalk verputzt. Das verstärkt abendliches Kerzenlicht. „Wir sind konservativ und gehen bewusst mit Strom um“, schreibt Rahul Sen in einer Mail.

Die verwendeten Sandsteinsorten sind Kota und Dholpur.

Rahul Sen (Mail)

Fabindia